Einblick in eine Geheimaktion: So läuft eine Abschiebung in Sachsen

Leipzig/Halle (Saale) - Abschiebungen abgelehnter Asylbewerber laufen in aller Regel geheim ab. Jetzt haben die Behörden erstmals Journalisten der Deutschen Presse Agentur am Leipziger Flughafen einen Einblick in das Prozedere gewährt.

Polizisten warten mit Ausreisepflichtigen auf dem Flughafen Leipzig in einer Abflughalle. Tische und Bänke wurden besonders massiv ausgeführt, um mögliches Randalieren zu vermeiden.
Polizisten warten mit Ausreisepflichtigen auf dem Flughafen Leipzig in einer Abflughalle. Tische und Bänke wurden besonders massiv ausgeführt, um mögliches Randalieren zu vermeiden.  © DPA, Michael Kappler

Hinter dem blauen Gitter, wo normale Passagiere keinen Zutritt haben, liegt der Ausgangspunkt für eine Reise ohne Vorfreude. Hier müssen sich die Ausreisepflichtigen zunächst auf einen Stuhl setzen. Umringt von Polizisten in gelben "Backup Team"-Westen erhalten sie eine Belehrung und werden dann auf gefährliche Gegenstände durchsucht. Neben ihnen steht ein Übersetzer. Dieser erklärt, was nun folgt: Durchsuchung, Warten, dann fährt ein Bus zum Flieger.

Waffen tragen in der Halle nur die Landespolizisten, die an jenem Tag 46 Afghanen zum Flughafen gebracht haben. Die 74 Bundespolizisten, die als "Escort" nach Kabul mitfliegen werden, sind unbewaffnet. Die neun Stunden bis zur Landung in Kabul begleiten sie die Flüchtlinge auf Schritt und Tritt, selbst auf dem Gang zur Toilette. Immerhin sind auch 22 verurteilte Straftäter unter den Afghanen.

Mit einem Bus geht es schließlich zu einer Charter-Maschine. Jeder einzelne Ausreisekandidat wird von zwei Polizisten untergehakt und dann einzeln die Gangway hochgebracht. Bei besonders renitenten Personen fixieren die Polizisten die Arme mit einem schwarzen Band am Rumpf. Auch Spuckschutzhauben gehören zur Ausrüstung.

In der Maschine herrscht Ruhe

Polizeibeamte führen einen Afghanen die Gangway zum Charterflugzeug hinauf.
Polizeibeamte führen einen Afghanen die Gangway zum Charterflugzeug hinauf.  © DPA, Michael Kappler

Wer sich zuvor in der Halle gewehrt hat oder wiederholt hinausgehen wollte, wird im hinteren Teil der Boeing 767 platziert. Im Polizei-Jargon sind das "die Schwererziehbaren". "In der Maschine ist es ruhig. Niemand spricht laut. Nachdem das Flugzeug abgehoben hat, wird es noch stiller. Nur ein Mann trägt noch den Fesselungsgurt", berichten die Reporter, die den Flug nach Kabul begleiten durften.

Wenn einem der Bundespolizisten die Augen zufallen, kommt sofort jemand aus dem Ersatz-Team. Jede Sammelabschiebung ist eine aufwendige Operation. Bundesweit rund 1500 Polizisten sind als "Personenbegleiter Luft" geschult. Nach der Landung in Kabul steigen zunächst vier Polizisten in Schutzwesten aus und sichern das Flugzeug. Anschließend verlassen die Abgeschobenen die Maschine und werden den afghanischen Behörden übergeben.

Jeder Neuankömmling muss seine Papiere vorzeigen. In einem Nebenraum gibt es Geld, rund 150 Euro von einer UN-Behörde. Das reicht, um einige Tage in einer billigen Unterkunft zu schlafen und zu essen. Was danach kommt, wissen die meisten Rückkehrer noch nicht.

Nach der Landung in Kabul küsst dieser Afghane den Boden seines Heimatlandes.
Nach der Landung in Kabul küsst dieser Afghane den Boden seines Heimatlandes.  © DPA, Michael Kappler

Titelfoto: DPA, Michael Kappler

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