Prozess deckt auf: So gefährlich ist das illegale Banksystem arabischer Migranten

Leipzig - Es ist das geheimste Geldtransfersystem der Welt und in Deutschland streng verboten: das orientalische Hawala-Banking. Doch auch in Sachsen agieren Hawala-Banker, die vor allem Geld arabischer Migranten in deren Heimatländer transferieren. Ein gefährliches Geschäft, wie ein aktueller Prozess in Leipzig zeigt.

Nicht zu beneiden: Der Vorsitzende Richter Michael Dahms muss einen überaus verwirrenden Kriminalfall um das geheime Hawala-Banking von Migranten aufklären.
Nicht zu beneiden: Der Vorsitzende Richter Michael Dahms muss einen überaus verwirrenden Kriminalfall um das geheime Hawala-Banking von Migranten aufklären.  © Ralf Seegers

Geheimdienste schätzen, dass über das Hawala-Banking täglich mehrere Milliarden Euro über den Globus transferiert werden. Auch Drogenkartelle und Terrororganisationen bedienen sich dieses auf Vertrauensleute basierenden Überweisungssystems, weil es keine Spuren hinterlässt. In Deutschland gilt Hawala-Banking als Geldwäsche und ist deshalb verboten.

Das Prinzip: Der Absender gibt das Bargeld, das er beispielsweise von Sachsen nach Syrien transferieren will, seinem örtlichen Hawaladar. Der informiert via Handy einen Hawala-Banker in Syrien, der dem Empfänger die Summe nach Preisgabe eines Geheimcodes auszahlt. Nach Abzug einer Provision verrechnen die Hawaladare die Summe untereinander - durch darauffolgende Transfers in anderer Richtung oder Import-Export-Geschäfte.

Zwei der vier Syrer (30, 28, 26, 16), die gemeinsam mit einem deutschen Handlanger (24) seit Donnerstag vor dem Leipziger Landgericht stehen, arbeiteten früher selbst im Hawala-Business. Laut Anklage sollen sie ihr Wissen um die Transferwege ausgenutzt haben, um andere arabische Geldboten zu überfallen. Konkret wird ihnen ein bewaffneter Überfall auf einen Hawala-Banker am 22. Januar vorgeworfen. Diesen sollen sie arbeitsteilig bis Magdeburg verfolgt und ihm dann eine fünfstellige Summe geraubt haben.

Soll mit zum Überfallkommando gehört haben: Ahmad Al-H. (26) aus Syrien, der angab, Student zu sein.
Soll mit zum Überfallkommando gehört haben: Ahmad Al-H. (26) aus Syrien, der angab, Student zu sein.  © Ralf Seegers

Allerdings: Die Staatsanwaltschaft, die den Fall zuerst sogar als Verabredung zum Mord anklagte, kann weder Opfer noch genaue Geldsumme benennen.

Denn sämtliche Erkenntnisse der Tat haben die Ermittler aus der Telefonüberwachung der Syrer gewonnen. Das Opfer des bewaffneten Raubüberfalls hat sich nie gemeldet, da auch sein Gewerbe illegal ist.

Auch in Erfurt wollten die Räuber zuschlagen. Die in Leipzig lebenden Syrer wussten, dass ein Hawaladar seine Geschäfte in einem Restaurant der Thüringer Landeshauptstadt abwickelt. Zu dem Überfall kam es jedoch nicht mehr, da die Bande vorher aufflog.

Das Landgericht, das die ursprüngliche Mordkomplott-Anklage der Staatsanwaltschaft nicht zur Verhandlung zuließ, weil die Angaben aus den abgefangenen Telefonaten dazu zu vage waren, will bis Mitte Dezember verhandeln. Der Tatvorwurf lautet nun auf gemeinschaftlich begangenen schweren Raub und Verabredung zum schweren Raub.

Soll früher selbst Hawala-Geldbote gewesen sein: Abboud A., ein gelernter Friseur aus Syrien.
Soll früher selbst Hawala-Geldbote gewesen sein: Abboud A., ein gelernter Friseur aus Syrien.  © Ralf Seegers
Qusay A. (28) soll der Anführer der Räuberbande gewesen und früher selbst im Hawala-Business tätig gewesen sein.
Qusay A. (28) soll der Anführer der Räuberbande gewesen und früher selbst im Hawala-Business tätig gewesen sein.  © Ralf Seegers

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