Hirntumor! Da fand Paulis letztes Weihnachten schon im November statt

Von Thomas Gillmeister

Leipzig - Als der kleine Paul spürte, dass seine Zeit auf der Erde abläuft, hatte er nur noch einen großen Wunsch: Weihnachten feiern. Deshalb zogen Grit (46) und Sven (48) Graser aus Leipzig das Fest in den November vor. Drei Tage nach Nikolaus starb der Junge. Heute lebt der Vierjährige im Verein "Paulis Momente hilft" weiter, den seine Eltern gründeten.

Auch das vorgezogene Plätzchenbacken durfte nicht fehlen.
Auch das vorgezogene Plätzchenbacken durfte nicht fehlen.  © privat, Repro: Gabor Krieg/ Picture Point

Einen Stern, der seinen Namen trägt, finden die Eltern jetzt im Sternbild Fisch. Der auf Pauli getaufte Himmelskörper ist ein Geschenk und eine Erinnerung an das geliebte Wunschkind des Leipziger Ehepaares. Mit rund zwei Jahren begann Paul, den alle nur Pauli nannten, über extreme Kopfschmerzen zu klagen.

"Ich spürte, dass etwas nicht stimmt", erinnert sich Grit Graser, die als medizinisch-technische Assistentin arbeitet. Und genau mit der gleichen Akribie, mit der sie täglich im Labor nach Krankheitserregern sucht, wollte sie der Ursache für Paulis Schmerzen auf den Grund gehen.

Nach einer Ärzte-Odyssee erhielten die besorgten Eltern die Schockdiagnose: ein hühnereigroßer Hirntumor. Er wurde sofort bei einer komplizierten Operation entfernt. Tapfer bot der kleine Pauli dem Feind in seinem Kopf Paroli, ertrug die vielen Chemotherapien und die zwei Stammzelltransplantationen.

Doch im Herbst 2012 wurden Grit und Sven Graser mit der bitteren Wahrheit konfrontiert, dass ihr geliebter Sohn den Kampf gegen den Krebs verlieren wird.

Ein letztes Weihnachten zuhause

Pauli war ein aufgeweckter, tapferer Junge. Zum Roller bekam er noch einen Tretbagger.
Pauli war ein aufgeweckter, tapferer Junge. Zum Roller bekam er noch einen Tretbagger.  © privat, Repro: Gabor Krieg/ Picture Point

Zwischenzeitlich breiteten sich in Paulis Körper überall Metastasen aus. "Wir wussten, dass uns nicht mehr viel Zeit bleibt", denkt die Mutter zurück. Sie machte sich zusammen mit ihrem Mann dafür stark, dass Pauli das Krankenhaus verlassen und endlich wieder nach Hause durfte. Dort wurde er auch von einer erfahrenen Schmerztherapeutin betreut.

Anfang November wünschte sich der aufgeweckte Junge plötzlich, einen Tannenbaum zu schmücken. Seine Eltern verstanden das Zeichen.

Und so klopfte am 20. November ein Weihnachtsmann an die Tür und schenkte Pauli unter anderem einen Tretbagger, den er sich so sehr wünschte. Während sich draußen der Novembernebel um die Häuser legte, feierte die Familie drinnen im Lichterglanz des Tannenbaums gemeinsam Weihnachten.

Und dabei verdrängten die festlichen Momente für eine Weile die Schmerzen, die Traurigkeit, das bevorstehende Loslassen.

Wenige Tage später schlief Pauli für immer ein. Mit vier Jahren.

Verein unterstützt Eltern schwerkranker Kinder

Bescherung mit Kloß im Hals: Hier überreicht der Weihnachtsmann Pauli ein Geschenk.
Bescherung mit Kloß im Hals: Hier überreicht der Weihnachtsmann Pauli ein Geschenk.  © privat, Repro: Gabor Krieg/ Picture Point

Das schwere Schicksal prägte die Leipziger. Nach einem Jahr gründeten sie den Verein "Paulis Momente hilft". "Nun lebt unser Junge im Verein weiter, der anderen schwerkranken Kindern und deren Eltern unterstützen will", meint Sven Graser. Denn seine Frau und er sammelten beim Kampf gegen den Krebs unheimlich viele Erfahrungen, wurden Schmerz-Spezialisten und Bürokratie-Bewältiger. Dieses Wissen geben sie im Verein weiter.

Gemeinsam treten die engagierten Sachsen für ein mobiles Palliativteam ein, das im Ernstfall Kinder und Jugendliche daheim in der Familie und der vertrauten Umgebung betreut. Außerdem erfüllen die Grasers unter dem Motto "Freuzeit" den Betroffenen kleine Herzenswünsche. So, wie sie ihrem Sohn Weihnachten sogar im November ermöglichten.

Tipp: Wer die wichtige Arbeit vom Verein finanziell unterstützen möchte, kann dies über folgendes Spendenkonto tun: Paulis Momente hilft e.V. Leipzig, Sparkasse Leipzig, IBAN: DE32 8605 5592 1090 0823 35. Weitere Infos findet Ihr hier.

Grit (46) und Sören Graser (48) bleibt die Erinnerung an ihren gemeinsamen Sohn. Jetzt wollen sie anderen helfen.
Grit (46) und Sören Graser (48) bleibt die Erinnerung an ihren gemeinsamen Sohn. Jetzt wollen sie anderen helfen.  © Gabor K

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