Experte warnt: Drohen bald 13-Stunden-Arbeitstage in der Hotelbranche?

Leipzig - Leipzigs Tourismus-Branche boomt: Im vergangenen Jahr verzeichnete die Messestadt 3,38 Millionen Übernachtungen von Gästen, 6,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Ein Experte gibt nun jedoch zu bedenken, dass dies nur "mit dem starken Engagement der Beschäftigten" möglich sei und warnt gleichzeitig vor immer extremeren Arbeitszeiten.

Drohen der Hotelbranche bald 13-Stunden-Arbeitstage? (Symbolbild)
Drohen der Hotelbranche bald 13-Stunden-Arbeitstage? (Symbolbild)  © 123RF/Dmitry Kalinovsky

"In den vergangenen Jahren sind die Schichten deutlich länger und die Erholungszeiten kürzer geworden. Zwar gehöre das Arbeiten am Abend oder am Sonntag für Hotelfachleute und Kellner fest zum Job. Aber das macht nicht jeder mit", sagte Jörg Most, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

Nach Angaben der Arbeitsagentur beschäftigt das Gastgewerbe allein in Leipzig rund 14.700 Menschen. "Allerdings fehlen hier zunehmend Fachkräfte – auch, weil die Branche ein waschechtes Image-Problem hat", so Most, dem zufolge die immer extremeren Arbeitszeiten ein Hauptgrund für das Problem sind.

Der Geschäftsführer der NGG kritisierte insbesondere die Forderungen der Unternehmen nach einer Lockerung des Arbeitszeitgesetzes. "Geht es nach dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), dann sollen 13-Stunden-Arbeitstage bald zum Normalfall werden. Aber hier steht die Gesundheit der Beschäftigten auf dem Spiel. Nicht umsonst gibt es gesetzliche Grenzen."

Das Arbeitszeitgesetz schreibt eine Regelarbeitszeit von acht Stunden täglich vor. Einer Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zufolge steigt das Unfallrisiko nach der achten Arbeitsstunde exponentiell an. Und wer oft im Schichtdienst arbeitet, der hat ein erhöhtes Risiko, am Herzen oder an Diabetes zu erkranken.

"Die guten Übernachtungszahlen und steigende Umsätze zeigen, wie groß der Einsatz der Beschäftigten in der Gastronomie und Hotellerie ist", sagte Most. In Leipzig arbeiteten gerade gelernte Fachkräfte "längst am Limit". Die dürfe man nicht verprellen.

Schon jetzt falle es der Branche schwer genug, Schulabgänger für eine Ausbildung zu gewinnen. Statt längere Arbeitszeiten zu fordern, sollten Hoteliers und Gastronomen die Branche deswegen attraktiver machen, erklärte der NGG-Geschäftsführer. "Das fängt bei einer guten Ausbildungsqualität an und reicht bis zur Bezahlung nach Tarifvertrag. Und wenn das Personal Spaß an der Arbeit hat, dann kommen die Gäste auch gern wieder."

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