Illegale Glücksspiel-Hallen in Leipzig? Experten schlagen Alarm

Leipzig - Das illegale Glücksspiel nimmt überhand in Leipzig. Mit dieser erschreckenden Prognose hatten Vertreter der deutschen Automatenwirtschaft am Mittwoch zu einem Pressetermin geladen. Sie fordern eine effektivere Regulierung der Glücksspiel-Branche und warnten gleichzeitig davor, dass das illegale Spiel außer Kontrolle gerate. Das eindrücklichste Beispiel: die Eisenbahnstraße.

Von links: Thomas Breitkopf, Georg Stecker und Andreas Wardemann fordern eine effektivere Regulierung des Glücksspiels in Sachsen. Das illegale Spiel gerät ihrer Meinung nach außer Kontrolle. Besonders betroffen: Die Leipziger Eisenbahnstraße.
Von links: Thomas Breitkopf, Georg Stecker und Andreas Wardemann fordern eine effektivere Regulierung des Glücksspiels in Sachsen. Das illegale Spiel gerät ihrer Meinung nach außer Kontrolle. Besonders betroffen: Die Leipziger Eisenbahnstraße.  © privat

"Sehen Sie sich das an", sagt Andreas Wardemann, Vorstandsmitglied des Verbands der Automatenkaufleute Berlin und Ostdeutschland. "Da haben Sie eine Spielhalle und direkt gegenüber die nächste." Der Unternehmer deutet auf das "Café Nazo", einen Imbiss an der Leipziger Eisenbahnstraße.

Direkt gegenüber liegt das "Star Spielcafé". Beide Geschäfte werben von außen mit Glücksspiel, keine 50 Meter voneinander entfernt. Per Gesetz müssen Spielhallen jedoch 250 Meter voneinander entfernt sein, Luftlinie. Wardemann zufolge handelt es sich in beiden Fällen um Gaststätten, in denen sich jedoch illegale Spielhallen verbergen. Allein auf der Eisenbahnstraße soll es 18 solcher Geschäfte geben.

Zusammen mit anderen Vertretern der deutschen Automatenwirtschaft hatte Wardemann am Mittwoch zu einem Pressetermin geladen, um auf die Lage rund um illegales Glücksspiel in Leipzig aufmerksam zu machen. Wardemann, Betreiber mehrerer Spielhallen in Deutschland, habe durch den 2012 in Kraft getretenen Glücksspielstaatsvertrag allein in Leipzig sieben Betriebe verloren. Mal sei der nicht eingehaltene Abstand zu Schulen schuld gewesen, auch dieser muss in Sachsen 250 Meter betragen. Mal habe es sich um Mehrfachkonzessionen gehandelt, die Geschäfte lagen also zu nahe beieinander.

"Während wir schließen müssen, breiten sich die illegalen Spielhallen aus", beklagte Wardemann. Tatsächlich soll sich die Zahl illegaler Spielotheken in den vergangenen zwei Jahren massiv in Leipzig verstärkt haben. Die Stadtverwaltung spreche derweil allerdings nur von etwa 50 registrierten Einrichtungen. "Diese Entwicklung ist nicht gut", so Wardemann.

Illegales Glücksspiel in Leipzig: Ein "besonders krasser Fall"

Ein Imbiss, in den man erst ab 18 Jahren darf? Das "Café Nazo" zählt Wadermann zufolge zu den Geschäften, in denen illegal Glücksspiel betrieben wird.
Ein Imbiss, in den man erst ab 18 Jahren darf? Das "Café Nazo" zählt Wadermann zufolge zu den Geschäften, in denen illegal Glücksspiel betrieben wird.  © privat

Georg Stecker, Vorstandssprecher des Vereins "Die deutsche Automatenwirtschaft", sprach in Bezug auf die sächsische Ordnungspolitik rund um Glücksspiel von einem "besonders krassen Fall." "Hier wurden rein quantitative Maßnahmen angewandt. Da, wo ich jedoch das legale Angebot einschränke, blüht das illegale auf. Im Zentrum solcher Maßnahmen sollten jedoch nicht Verbote und Schließungen stehen, sondern zunächst der Schutz des Konsumenten."

Wie fehlgeleitet das Gesetz in Sachsen dabei jedoch greift, machen Wardemann und Stecker anhand der Eisenbahnstraße deutlich. So habe dort eine von Wardemanns Spielhallen 2017 schließen müssen, weil sie zu nahe an der Schule am Rabet liegt.

Ebenso verhält es sich jedoch mit vier der mutmaßlich illegalen Hallen, die weiter ihrem Geschäft nachgehen. Demnächst müsse auch die letzte legale Spielothek auf der Eisenbahnstraße dicht machen. Die Begründung ist dieselbe wie im Fall von Wardemanns Geschäft. Zwischen der Schule am Rabet und der legalen Halle liegen vier angeblich illegale Geschäfte.

"Wir brauchen eine Änderung des Glücksspielstaatsvertrages, Unterstützung bei der Regulierung und beim Vollzug", forderte Thomas Breitkopf, Präsident des Bundesverbandes Automatenunternehmen. "Ordnungskräfte müssen härter gegen Betreiber von Café-Casinos vorgehen. Zudem darf das legale Spiel nicht weiter geschwächt werden."

Die Automatenwirtschaft unterliege Regeln. So dürfe in legalen Spielhallen kein Alkohol ausgeschenkt werden, der Zutritt ist ab 18 Jahren und das Personal wird regelmäßig geschult. Zudem werden die Geschäfte durch den TÜV geprüft und müssen sich an die Vorgaben zum Jugend- und Spielerschutz halten. "Wenn diese schließen müssen, wandern Freizeitspieler in die Illegalität ab und spielen dort ungeschützt", so Breitkopf.

Direkt gegenüber des "Café Nazos": das "Star Spielcafé". Der Name scheint dort Programm zu sein.
Direkt gegenüber des "Café Nazos": das "Star Spielcafé". Der Name scheint dort Programm zu sein.  © privat

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