Ist der Leipziger Technoclub selbst schuld am Sperrstunden-Dilemma?

Im Kohlrabizirkus werden die Leipziger IceFighters in Zukunft ihre "Heimat" haben.
Im Kohlrabizirkus werden die Leipziger IceFighters in Zukunft ihre "Heimat" haben.

Leipzig - Ist das Institut für Zukunft (IfZ) zum Teil selbst schuld daran, dass es zur Einhaltung der Sperrstunde verdonnert wird? Dies geht aus einer Antwort der Verwaltung auf eine Anfrage der Linken-Stadträtin Juliane Nagel (38) hevor.

Nagel fragte beim Ordnungsdezernat nach, warum gerade das IfZ dazu aufgefordert wurde, die Sperrstunde von fünf bis sechs Uhr morgens einzuhalten.

Demnach wurde das zuständige Ordnungsamt neben Hinweisen auch durch Werbematerial des Technoclubs darauf aufmerksam, dass man dort die Sperrstunde durchfeiern konnte.

Und da die Behörde die sachsenweit gültige Regel durchsetzen muss, blieb ihr nichts anderes übrig, als das IfZ zu ermahnen.

Generell gelte die umstrittene Regel für alle Kneipen, Clubs und Discos im Freistaat Sachsen, erklärte das Ordnungsdezernat der Stadt Leipzig.

Für Stadträtin Nagel stellt sich noch die Frage, warum Leipzig früher mit dem Spruch warb: "Das Leipziger Nachtleben kennt keine Sperrstunde." Laut Verwaltung war dieser Slogan seit den 90er Jahren im Einsatz.

Der einfache Grund dafür: Früher waren die Partys in Leipzig vor 5 Uhr beendet. Trotzdem konnte man in der Messestadt nach Mitternacht noch feiern, während in anderen Städten - außer Berlin vielleicht - schon die Bürgersteige hochgeklappt wurden.

"Erst seit den völlig veränderten 'Ausgangszeiten', insbesondere von jungen Menschen und dem Entstehen von zahlreichen Clubs mit Betrieb bis in die Vormittagsstunden, liegt die Sperrstunde nunmehr mitten in den Betriebszeiten der Einrichtungen und unterbricht als Sperrzeit den Veranstaltungsbetrieb", so das Ordnungsdezernat.

Die Sache mit dem Partyleben ohne Sperrstunde hatte sich damit erledigt, also nahm die Stadt den Slogan nach eigenen Angaben von der Webseite. Seitdem das IfZ in das Sperrstunden-Dilemma geriet, ist nun allen Leipzigern endgültig klar, dass es sehr wohl zwischen 5 und 6 Uhr morgens eine stille Stunde zum Aufräumen gibt.

Doch schon bald soll die Sperrstunde in Leipzig Geschichte sein. Linksfraktion, SPD und Grüne haben einen entsprechenden Antrag im Leipziger Stadtrat gestellt (TAG24 berichtete).

Flankiert wird die Initiative von einer Petition des sächsischen Grünen-Chefs Jürgen Kasek. Seinen Aufruf, die Sperrstunde in Leipzig aufzuheben, unterzeichnet knapp 8.300 Menschen.


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