Krawalle-Video: Polizisten attackieren Journalisten

Ein Polizist sprüht einem Journalisten Pfefferspray ins Gesicht.
Ein Polizist sprüht einem Journalisten Pfefferspray ins Gesicht.

Leipzig - Während der schlimmen Krawalle am vergangenen Wochenende in Leipzig sollen auch Journalisten von Polizisten angegriffen und verletzt worden sein. Ein Video bei Youtube sorgt für Diskussionen.

Bei heftigen Straßenschlachten am Sonnabend in Leipzig wurden nach Polizeiangaben 69 Beamte verletzt und 50 Dienstfahrzeuge beschädigt. 23 Menschen seien in Gewahrsam genommen worden (MOPO24 berichtete). Doch jetzt rückt die Polizei selbst in den Fokus der Aufmerksamkeit.

Johannes Grunert, nach eigenen Angaben freier Journalist, filmte, wie Bereitschaftspolizisten einen Mann verfolgten und in einem Hinterhof einkesselten. Als er den Einsatz der Beamten dokumentieren wollte, ging ein Beamter den Journalisten an, drängte ihn lautstark zurück. Grunert selbst schreibt, er sei von dem Polizisten geschlagen worden.

Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie einer der Polizisten einen anderen Journalisten aus ca. einem Meter Pfefferspray ins Gesicht sprüht. Ein aggressives Verhalten des Journalisten kurz vorher ist nicht zu erkennen.

Der Mann in dem Kreis wurde von der Polizei eingekesselt.
Der Mann in dem Kreis wurde von der Polizei eingekesselt.

Johannes Grunert stellte das Videomaterial auf Youtube. Er beschreibt das Erlebte so:

"Am 12.12.2015 wurde am Rande von Gegenprotesten gegen einen Neonaziaufmarsch ein junger Mann rabiat von der Polizei festgesetzt, um seine Personalien aufzunehmen. Journalisten wurden gewalttätig daran gehindert, dies zu dokumentieren. Ich wurde mehrmals geschlagen und angeschrien, ein Kollege wurde mit Pfefferspray aus direkter Nähe ins Gesicht außer Gefecht gesetzt. Der junge Mann wurde an einer Mauer gestellt und mehrmals von einem Beamten ins Gesicht geschlagen. Es war mir aufgrund der Verhinderungsversuche seiner Kollegen nicht möglich, dies zu dokumentieren."

Wie ein Polizeisprecher MOPO24 bestätigt, handelt es sich bei den eingesetzten Beamten um eine Einheit der Bereitschaftspolizei Sachsen.

Die im Film zu sehenden Ereignissen werden nun von Ermittlern geprüft. Die Polizei kündigte eine Stellungnahme an.

UPDATE: Die Polizei erklärte, dass das Video Fragen aufwirft, die eingehend geprüft werden. Diese wird nun eingeleitet, bedarf aber einiger Bearbeitungszeit. Es ließe sich aber aus der Filmsequenz nicht zwangsläufig ein Fehlverhalten der Polizisten ableiten

Darüber hinaus wies Polizeisprecher Andreas Loepki darauf hin, dass Journalisten mitunter vergessen, dass sie mit ihrer Arbeit strafprozesszuale Maßnahmen stören können.

"Vorliegend fand ganz offensichtlich eine Festhaltung mit anschließender Identitätsfeststellung statt, wobei die Kollegen sichtlich das Interesse hatten, einen aus Eigensicherungsgründen besser geschützten Ort aufzusuchen. In der Folge wird speziell der Kameramann nicht an der Dokumentation des Vorgangs gehindert oder gar angegriffen. Er wird schlicht daran gehindert, sich inmitten der polizeilichen Maßnahme zu bewegen und deshalb im Bereich eines unumgänglichen Mindestabstands gehalten, der es beiden Seiten – auch unter Berücksichtigung der Zoomfunktionen – gleichwohl erlaubt, ihrer Tätigkeit nachzukommen.

Das Vorgehen gegenüber dem grau gekleideten Mann geht nach meiner Ansicht eine erste kurze Ansprache durch einen Kollegen voraus, die offenbar platzverweisenden Charakter hatte. Dennoch bleibt er in unmittelbarer Nähe der handelnden Kollegen, weshalb sich ein Beamter entscheidet, einen kurzen Sprühstoß mit Reizgas abzugeben. Bei dieser Handlung ist objektiv nicht zu erkennen, ob der Mann überhaupt Journalist war/ist", erklärte Loepki.

Darüber hinaus ist der Polizei während des Einsatzes der Journalist mehrfach aufgefallen. So kann nicht ausgeschlossen werden, dass der zu sehenden Filmaufnahme nicht eine Vorgeschichte zwischen dem Fotografen und den Polizisten voraus ging, in der er wiederholt um Abstand gebeten wurde.

Fotos u. Video: Screenshots youtube.com/Johannes Grunert


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