Er jagte ein Wohnhaus in die Luft: Denis S. muss jahrelang hinter Gitter

Leipzig - Plattenbau-Zündler Denis S. muss für 13 Jahre und 6 Monate ins Gefängnis. Dieses Urteil wurde am heutigen Montagnachmittag am Leipziger Landgericht verkündet.

Verteidiger Stephan Bonell über das Urteil: "Ich bin nicht unzufrieden über den Schuldspruch, nur über die Höhe."
Verteidiger Stephan Bonell über das Urteil: "Ich bin nicht unzufrieden über den Schuldspruch, nur über die Höhe."  © Birthe Kleemann

Der Angeklagte habe ein ganz erhebliches Gewaltverbrechen begangen, hieß vonseiten des Gerichts. "Sie sind nicht zum Mörder geworden, doch sie haben anderen Menschen großen Schaden zugefügt." Die Anklage gegen den "Plattenbau-Zündler" hatte auf versuchten Mord gelautet.

Dieser Strafe ist Denis S. knapp entkommen. Stattdessen wurde der 29-Jährige wegen besonders schwerer Brandstiftung, schwerer Körperverletzung, gefährlicher Körperverletzung in drei Fällen, Sachbeschädigung und Versicherungsbetrug verurteilt. Mit dem Geld hatte er sich und seinem kleinen Sohn ein besseres Leben aufbauen wollen.

Laut Gericht habe es Bedenken gegeben, die gegen einen Tötungsdelikt gesprochen hätten. "Dennoch haben Sie es billigend in Kauf genommen, dass Ihre Mitmenschen verletzt werden", so der zuständige Richter. Bei dem Vorfall war Nebenklägerin Anke W. vom Balkon aus dem vierten Stock gestürzt und hatte sich lebensbedrohliche Verletzungen zugezogen (TAG24 berichtete). Ihr Anwalt äußerte sich nach der Urteilsverkündung gegenüber TAG24: "Es ist der Tat und der Schuld angemessen."

Am vergangenen Freitag hatte die Staatsanwaltschaft vor Gericht eine lebenslange Haftstrafe für Denis S. gefordert (TAG24 berichtete). "Die Bewohner haben um ihr Leben gekämpft, weil der einzige Fluchtweg über den Flur durch dichten Qualm versperrt war. Es war ein Glück, dass niemand gestorben ist", hieß es.

Zwar war das Gericht auch über die gesundheitliche Situation des Angeklagten - Denis S. litt seit Jahren unter Depressionen - unterrichtet, mildernd hätte sich das allerdings nicht ausgewirkt. "Wir haben sie als einen sehr Ich-bezogenen Menschen kennengelernt", so das Gericht. Die Tat habe er aus Habgier begangen. Nun sitzt der 29-Jährige auf mindestens 1,2 Millionen Euro Schulden.

Sein Verteidiger, Stephan Bonell, sieht vorerst von einer Revision ab. "Das heißt immer, wenig Einsicht zu zeigen. Und das kann später von Nachteil sein." Der Leipziger Rechtsanwalt rechnet allerdings damit, dass sein Klient nach spätestens neun Jahren vorzeitig entlassen würde. Trotzdem hätte sich laut Bonell die Freiheitsstrafe im einstelligen Bereich bewegen können. "Ich bin nicht unzufrieden über den Schuldspruch, nur über die Höhe."

Der zuständige Richter hatte am Ende nur noch eine Frage an Denis S.: "Wie wollen Sie ihrem Sohn erklären, dass Sie für ein paar tausend Euro beinahe Menschen getötet hätten?"

Denis S. (29) wurde zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren und 6 Monaten verurteilt.
Denis S. (29) wurde zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren und 6 Monaten verurteilt.  © Birthe Kleemann

Titelfoto: Birthe Kleemann


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