25 Jahre nach letzter Schicht: Jetzt ist dieser Heizer ein Kunstwerk

Rentner Knospe (70) streifte sich fürs Foto noch einmal die alte Arbeitskluft über.
Rentner Knospe (70) streifte sich fürs Foto noch einmal die alte Arbeitskluft über.  © Picture Point/Kerstin Kummer

Von Thomas Gillmeister

Leipzig - Wenn Wolfgang Knospe (70) aus Kohle Energie machte, war der Kesselwärter in seinem Element.

Zehn Jahre schuftete er im Heizkraftwerk Leipzig-Lindenau. Eigentlich wären seine Spuren längst verwischt. Doch durch die wundersame Wandlung des Heizwerkes in ein Kunstkraftwerk ist er wieder da: als Teil der Kunst.

Hätte ihm Mitte der Achtziger im Kesselhaus jemand prophezeit, dass er rund 30 Jahre später genau hier überlebensgroß filmisch an der Wand entlangläuft, wäre der Ur-Leipziger über so viel Phantasterei wohl nur kopfschüttelnd wieder an die Arbeit gegangen.

Wolfgang, der Malocher. Ein Mann wie ein Baum. Jeden Tag fuhr er mit dem Fahrrad von seiner Neubauwohnung in Grünau ins benachbarte Lindenau. Dort brannte ununterbrochen das Feuer in drei Kesseln. Tonnenweise fütterte er sie mit Rohbraunkohle. Der Heizer liebte seinen Job. Doch nach zehn Jahren ging das Feuer aus. Die letzte Schicht hat sich ins Gedächtnis eingebrannt: der 20. Juli 1992.

Jahre später erfuhr er vom Projekt Kunstkraftwerk. Eines Tages stand Wolfgang Knospe mittendrin im Kunstbetrieb und outete sich als einstiger Kesselwärter. Neugierig wurde dem unverhofften Zeitzeugen zugehört. Eine italienische Künstlergruppe schließlich setzte ihm ein filmisches Denkmal.

Der Ex-Heizer wurde in die spektakuläre Licht- und Klangshow integriert, die noch bis 30. November zu sehen ist.

www.kunstkraftwerk-leipzig.com

Das Kunstkraftwerk in der Saalfelder Straße. Früher wurde hier noch richtig malocht.
Das Kunstkraftwerk in der Saalfelder Straße. Früher wurde hier noch richtig malocht.  © Picture Point/Roger Petzsche
Vorsicht, Kunst: Als Teil eines Films "läuft" Wolfgang Knospe wie von Geisterhand bewegt die Wand entlang.
Vorsicht, Kunst: Als Teil eines Films "läuft" Wolfgang Knospe wie von Geisterhand bewegt die Wand entlang.

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