MDR zeigt Beitrag mit Linken-Politikerin, vergisst aber ein kleines Detail

Die MDR-Fernsehzentrale Leipzig: Das MDR-Magazin "Umschau" zeigte am 22. August in einem Beitrag über explodierende Mieten die Linken-Politikerin Franziska Riekewald ...
Die MDR-Fernsehzentrale Leipzig: Das MDR-Magazin "Umschau" zeigte am 22. August in einem Beitrag über explodierende Mieten die Linken-Politikerin Franziska Riekewald ...  © MDR

Leipzig - Ein Beitrag im MDR sorgt für Wirbel im Leipziger Bundestagswahlkampf. In der Sendung "Umschau" ist die Linken-Bundestagskandidatin Franziska Riekewald (36) zu sehen. Allerdings nicht als Politikerin, sondern als Normalverdienerin "Anja Riekewald", die über steigende Mieten in Leipzig klagt.

Der Blog "Scheidende Geister" war auf den Beitrag aufmerksam geworden, der am 22. August im MDR lief. Darin geht es um den Wohnungsmarkt und die steigenden Mieten in Leipzig.

Als Beispiel für eine Durchschnittsfamilie auf jahrelanger Wohnungssuche, stellt das Magazin "Umschau" die Riekewalds vor - Vater, Mutter und zwei Kinder. Ihre 90-Quadratmeter-Wohnung im Waldstraßenviertel ist ihnen zu klein geworden und Wohnen wird in Leipzig immer teurer.

Das Problem an der Sache: Anfangs hatte das Magazin Mutter Riekewald mit dem Vornamen "Anja" vorgestellt.

Dies fiel dem Blogger auf, der feststellte, dass "Anja Riekewald" der Linken-Bundestagskandidatin und -Stadträtin Franziska Riekewald zum Verwechseln ähnlich sieht.

Einen weiteren Hinweis darauf, dass es sich tatsächlich um die Politikerin Franziska Riekewald handeln könnte, lieferte die Leipziger Linke selbst. Sie hatte am 18. August - unter anderem via Twitter - einen Aufruf des MDR verbreitet, der über eine Leipziger Familie auf Wohnungssuche berichten wollte.

... verschwieg dabei aber ihre aktuelle Kandidatur für den Bundestag sowie ihr Amt als Stadträtin.
... verschwieg dabei aber ihre aktuelle Kandidatur für den Bundestag sowie ihr Amt als Stadträtin.  © DIE LINKE. Fraktion im Stadtrat zu Leipzig

Am Samstag klärten der MDR und die Linken-Politikerin Franziska Riekewald die Sache auf. Der Sender erklärte, man habe den Vornamen falsch eingeblendet.

"Bei der Produktion des Beitrages, an der mehrere Journalisten beteiligt waren, wurde der Vorname intern falsch übermittelt", heißt es. Die Umschau-Redaktion hat den Vornamen in dem Beitrag mittlerweile korrigiert.

Allerdings stellt sich dem aufmerksamen Zuschauer dann noch die Frage, warum im Beitrag mit keinem Wort erwähnt wird, dass sich Franziska Riekewald als Direktkandidaten für den Wahlkreis Leipzig I beworben hat - also mitten im Wahlkampf steckt. Zudem sitzt sie auch seit 2014 für ihre Partei im Leipziger Stadtrat, ist stellvertretende Fraktionschefin.

Warum die Umschau-Redaktion dieses Detail wegließ beziehungsweise die Familie Riekewald trotzdem auswählte, dazu hat sich der MDR bislang noch nicht geäußert.

Dafür erklärte Franziska Riekewald auf Anfrage von TAG24: "Ich habe mich einfach auf den öffentlichen Aufruf beworben. Wir gehören ja auch zur ganz normalen Mittelschicht. Ich gehe einem gewöhnlichen Job nach, bin Mutter und ehrenamtliche Stadträtin."

Bei der Wohnungssuche sei es schließlich egal, ob man gerade für den Bundestag kandidiere oder nicht. Die Probleme seien die gleichen, wie bei anderen Familien auch. Riekewald betonte, dass die Redaktion von ihrem Amt als Stadträtin und ihrer Bundestagskandidatur gewusst habe. "Ich habe den Redakteuren alles offengelegt."

Dass das Thema Wohnen Franziska Riekewald und ihrer Partei im Wahlkampf am Herzen liegt, hätte sie der Redaktion nicht erzählen müssen. Dafür genügt ein Blick ins Wahlprogramm.


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