Masern-Gefahr besorgniserregend: Gesundheitsamt appelliert an Impf-Faule

Nils Lahl (51) und Dr. Regine Krause-Döring vom Gesundheitsamt Leipzig sind besorgt: zu wenige Leipziger lassen sich gegen die Masern impfen.
Nils Lahl (51) und Dr. Regine Krause-Döring vom Gesundheitsamt Leipzig sind besorgt: zu wenige Leipziger lassen sich gegen die Masern impfen.  © Wolfgang Zeyen

Leipzig - Das Gesundheitsamt ist in Sorge: Trotz großflächiger Öffentlichkeitsarbeit in den letzten Wochen lassen sich viel zu wenige Bürger gegen Masern impfen. Nehmen die Leipziger die Gefahr der Virus-Erkrankung auf die leichte Schulter?

"Das Masernaufkommen hat einen besorgniserregenden Punkt erreicht." Das sagte die Leiterin des Leipziger Gesundheitsamts, Dr. Regine Krause-Döring (61), am Freitag. Bereits seit Anfang des Jahres rollten zwei Erkrankungswellen über die Messestadt hinweg, Krause-Döring erwartet in den kommenden Wochen eine dritte.

Auch Nils Lahl (51) sieht die Lage kritisch: "2017 macht uns sehr nachdenklich", so der Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin im Gesundheitsamt. In den ersten sieben Wochen des Jahres erkrankten bereits 54 Menschen an den Masern (TAG24 berichtete).

Zum Vergleich: Bei der letzten Erkrankungswelle in 2015 waren es 74 Betroffene in vier Monaten.

Wer noch nicht gegen die Masern geimpft ist, sollte dies schnellstmöglich nachholen. (Symbolbild)
Wer noch nicht gegen die Masern geimpft ist, sollte dies schnellstmöglich nachholen. (Symbolbild)  © DPA

Die Leipziger allerdings scheinen den Ernst der Lage zu verkennen. Vor gut eineinhalb Wochen warnte das Gesundheitsamt bereits vor dem dramatischen Anstieg der Masern-Erkrankungen in diesem Jahr und forderte die Bürger der Stadt auf, versäumte Impfungen unbedingt nachzuholen. Bisher mit bekümmernd geringem Erfolg. Der Vorrat an Impfstoff sei noch längst nicht erschöpft, so Krause-Döring.

"Das ist nicht mehr wie früher, als jeder Bürger einen Impf-Bescheid per Post nach Haus bekam. Uns bleibt nur der Weg der Öffentlichkeitsarbeit.", so die besorgte Gesundheitsamtsleiterin weiter. 1971 war die erste-, Anfang der 1980er die zweite Pflichtimpfung gegen Masern eingeführt worden. Danach habe man die Virus-Erkrankung bis 2015 in Leipzig fast vollständig abwenden können.

Heutzutage kann jeder selbst entscheiden, ob er sich impfen lässt, das Gesundheitsamt könne lediglich eine Empfehlung aussprechen. Das Problem: Masern sind hoch ansteckend, das Erkrankungsrisiko bei nicht geschützten Personen liegt bei 97 Prozent. Besonders tückisch ist, dass viele vorerst eine Ansteckung nicht bemerken. Der markante Hautausschlag tritt nämlich mitunter bis zu fünf Tage später nach der Übertragung auf.

Um die Virus-Erkrankung wirklich eindämmen zu können, sollten die Impf-Raten bei mindestens 90 Prozent liegen. Das Gesundheitsamt appelliert deshalb nochmals eindringlich an die Leipziger, sich beim Hausarzt oder den entsprechenden Kontaktstellen des Amts impfen zu lassen.