Experten warnen: Masern-Infektionen ebben nicht ab

Der Hautausschlag tritt bei Masern erst fünf Tage nach der Infektion auf. (Symbolbild).
Der Hautausschlag tritt bei Masern erst fünf Tage nach der Infektion auf. (Symbolbild).  © 123RF

Leipzig - In einem dramatischen Appell hat das Leipziger Gesundheitsamt die Messestädter aufgefordert, ihren Impfschutz überprüfen und Impflücken schnell schließen zu lassen. Hintergrund ist der rasante Anstieg der Masern-Fälle mit teils schweren Verläufen.

Die Fakten zuerst: Seit Jahresbeginn haben sich in Leipzig bereits 54 Menschen mit Masern infiziert.

Der jüngste Patient ist erst fünf Monate alt. Das Baby wurde von seiner nicht geimpften Mutter angesteckt und kämpft in einer Klinik um sein Leben.

Auch eine schwangere Frau ist infiziert. Ob die Ärzte ihr Kind retten können, ist unklar.

Und die Infektionswelle ebbt einfach nicht ab.

Laut Gesundheitsamt kommen jede Woche neue Fälle hinzu.

Gesundheitsamtchefin Dr. Regine Krause-Döring sagt: Die Impfmüdigkeit hat bedrohlich zugenommen.
Gesundheitsamtchefin Dr. Regine Krause-Döring sagt: Die Impfmüdigkeit hat bedrohlich zugenommen.  © Wolfgang Zeyen

"Wenn wir es jetzt nicht schaffen, dass wir einen Großteil der Leipziger Bevölkerung impfen, werden wir noch eine viel höhere Zahl an Infektionen bekommen", warnt Amtsleiterin Dr. Regine Krause-Döring (61).

Die Impfmüdigkeit der Menschen sei derzeit frappierend. Vor allem viele unvollständig geimpfte Kinder und junge Erwachsene bereiten den Experten Sorgen.

Die Masern-Viren sind mit denen der derzeit in Rumänien grassierenden identisch. Beim ersten in Leipzig registrierten Fall habe es sich um eine aus einem EU-Land zugewanderte Familie gehandelt, teilte die Amtsleiterin auf Nachfrage mit.

Bisher seien 1.500 Kontaktpersonen ermittelt und zur Eindämmung der Infektionswelle über 300 Besuchs- und Tätigkeitsverbote ausgesprochen worden. Andere sächsische Städte sind derzeit nicht betroffen, so das Gesundheitsministerium.

Übrigens: Bei der Grippewelle in Sachsen ist der Höhepunkt überschritten. Vergangene Woche wurden aber trotzdem 1824 Erkrankungen gemeldet. Macht in der Saison insgesamt 13 662 Fälle. Es gab 45 Todesfälle.

Amtsmediziner Nils Lahl besorgt vor allem die Ansteckung von Säuglingen durch ungeimpfte Erwachsene.
Amtsmediziner Nils Lahl besorgt vor allem die Ansteckung von Säuglingen durch ungeimpfte Erwachsene.  © Wolfgang Zeyen