"Den Abend hätte er nicht mehr erlebt!" Leipziger Tierheim hilft ausgesetztem Kater

Von Anke Brod

Leipzig - Dem roten Kater, der am 3. November auf einer Leipziger Grünbrache nahe der S-Bahnstation am MDR in einer luftdicht verschlossenen Kühltasche von einem Gassigeher gefunden wurde (TAG24 berichtete), geht es körperlich gut. Das berichtetet Michael Sperlich vom Leipziger Tierheim, seines Zeichens Geschäftsführer im "Ersten Freien Tierschutzverein Leipzig und Umgebung", TAG24 auf Anfrage.

Der Kater wurde in einer Kühltasche ausgesetzt.
Der Kater wurde in einer Kühltasche ausgesetzt.  © privat/ Facebook

"Allerdings ist er völlig durch den Wind", so Sperlich zum seelischen Zustand. Er sei im Tierheim zunächst in Quarantäne. Die involvierten Tierärzten schätzten seinen Geburtszeitpunkt auf März 2018. Nun würde er geimpft, kastriert und könne in drei bis vier Wochen in gute, liebevolle Hände vermittelt werden.

"Ich hoffe, dass er während seiner unkastrierten Zeit nicht gleich noch jede Menge Nachwuchs gezeugt hat", zeigt sich Sperlich angesichts ohnehin schon vieler kranker, unversorgter Streunerkatzen in Leipzig besorgt.

Der kleine, nicht gechipte Unglückskater mit weißem Latz und weißen Pfötchen hatte offenbar unwahrscheinlich viel Glück. "Hätte man ihn nicht so bald gefunden, wäre er jämmerlich erstickt", sagt Michael Sperlich fassungslos.

Den Abend hätte das Tier seiner Meinung dann nach nicht mehr erlebt. Die kleine isolierte Kühltasche hatte keinerlei Luftlöcher! Als kränkliche, hirnlose Farce dürfte für den Betrachter zudem der pseudo-fröhliche Aufdruck: "SMILE EVERYDAY" anmuten.

"Für einen echten Notfall ist immer Platz"

Auf der Brachfläche hinter dem MDR fand ein Hundebesitzer das ausgesetzte Tier.
Auf der Brachfläche hinter dem MDR fand ein Hundebesitzer das ausgesetzte Tier.  © Anke Brod

Ein Hundebesitzer hatte das hilflose Katerchen am 3. November morgens auf der Grünbrache neben der MDR-S-Bahnhaltestelle entdeckt und später das städtische Veterinäramt informiert. Laut Sperlich hätten die Mitarbeiter das Tier um 14 Uhr gesichert. "Im Picknickkorb lagen auch Unmengen von nicht angerührtem Trockenfutter", so der Tierheimchef. Der rote Kater hatte natürlich eingepfercht in der stickigen, finsteren Isotasche Mega-Panik geschoben und dabei noch kräftig unter sich gelassen und markiert.

Doch wäre es auch anders gegangen. - "Wir sind zwar bis unters Dach voll mit Katzen", bedauert Sperlich, "doch für einen echten Notfall ist immer Platz." Damit spricht er auf mögliche akute persönliche oder finanzielle Nöte der Vorbesitzer an.

"Wir erlassen in Notfällen, etwa für Sozialhilfeempfänger, auch die Abgabegebühr", informiert Sperlich und zeigt weitere Wege auf: "Ein Anruf bei uns genügt. Wir überlegen dann gemeinsamen mit den Tierbesitzern, was zu tun ist." Brenne es nicht in derselben Sekunde, helfe man mit Vermittlungsaushängen. Bis zum Erfolg müssten die Vorbesitzer ihre Tiere dann eben noch drei, vier Wochen zu Hause halten.

Das Aussetzen eines anbefohlenen Tieres ist nach Paragraph 3 im Tierschutzgesetz eine Ordnungswidrigkeit und kann mit einem Bußgeld bis zu 25.000 Euro geahndet werden.

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