Meine Meinung: Aktion "Kopf ab!" Minister Wöller und sein Connewitzer Bauernopfer

Leipzig - Nach den Silvesterkrawallen in Leipzig hat Sachsens Innenminister Roland Wöller (49, CDU) einen ersten Kopf "rollen" lassen. Von einem Beamten, der gar nicht am Einsatz beteiligt war. Ein Kommentar von TAG24-Redakteur Alexander Bischoff.

War zwölf Jahre das "Gesicht" der Leipziger Polizei und wurde nun als mutmaßliches Bauernopfer aussortiert: Uwe Voigt.
War zwölf Jahre das "Gesicht" der Leipziger Polizei und wurde nun als mutmaßliches Bauernopfer aussortiert: Uwe Voigt.  © Ralf Seegers

Am Freitag wird Sachsens Polizei eine Personalie verkünden. Eine Präsidialbeamtin der Bereitschaftspolizei wird kurzfristig die Leitung der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Leipziger Direktion übernehmen.

Ein kurzer Anruf aus dem Innenministerium beendete von einer Minute auf die andere die Arbeit von Uwe Voigt (60), der 12 Jahre das Gesicht der Leipziger Polizei war. Sieben Monate vor seiner Pensionierung wird der Chef-Sprecher im Abstellraum seiner Behörde versenkt. Eine offizielle Begründung erhielt er nicht.

Voigt ist ganz offensichtlich das Bauernopfer, das Innenminister Wöller in der mittlerweile ausufernden Diskussion über polizeiliches Vorgehen zu Silvester in Connewitz bringt. Eine Diskussion, die sich nicht etwa darum dreht, ob es unmenschlich ist, einen bewusstlos am Boden liegenden Polizeibeamten mit Raketen und Böllern zu beschießen.

Nein, diskutiert wird, ob die Polizei am Neujahrstag hätte von einer "Notoperation" des schwer verletzten Beamten sprechen dürfen oder nur von einer "dringend notwendigen Operation". Und ob ein Polizeipräsident öffentlich und in persönlicher Ansprache in einer amtlichen Erklärung auf den vorwurfsvollen Tweet eines linken Aktivisten reagieren darf.

Politik lässt Polizei im Shitstorm-Gewitter allein

Der eine sortiert aus, der andere kuscht: Innenminister Roland Wöller (CDU, r.) und sein Landespolizeipräsident Horst Kretzschmar (l.).
Der eine sortiert aus, der andere kuscht: Innenminister Roland Wöller (CDU, r.) und sein Landespolizeipräsident Horst Kretzschmar (l.).  © dpa/Sebastian Willnow

Geführt wird der Disput im Wesentlichen von linken Twitter-Aktivisten und aus Redaktionsstuben überregionaler Medien heraus, deren Autoren fast immer die gleichen Namen tragen.

Dass sich die Erregten von diesem Bauernopfer beruhigen lassen, darf als ausgeschlossen gelten. Zumal der auserkorene Sündenbock über Silvester weder am Einsatz beteiligt noch im Dienst war.

Der Vorgang wirft ein Schlaglicht auf die sächsische Innenpolitik und ihren Umgang mit der Polizei. Politisch gefordert wird einerseits eine knallharte Law & Order-Politik, die von den Frauen und Männern in Uniform auf der Straße umgesetzt werden muss. Das wird derzeit reichlich kritisiert und Sachsens Polizei wird nicht erst seit Connewitz von einem Shitstorm-Gewitter nach dem anderen überzogen.

Und in diesem Gewitter wird die Exekutive von der Politik viel zu oft allein gelassen. Ein starker Minister, der seiner Polizei im Social Media-Shitstorm zur Seite steht und ihr den Rücken stärkt? In Sachsen Fehlanzeige! Statt dessen lässt man aus Dresden kalt Köpfe rollen.

Und der Landespolizeipräsident Horst Kretschmar, der aufgrund seiner SEK-Vergangenheit einst als "härtester Hund" der hiesigen Polizei galt?

Verkriecht sich heute wie ein ängstliches Schulmädchen hinter seinem Schreibtisch, anstatt sich vor seine Truppe zu stellen und auch mal seinem Minister zu erklären, dass man so nicht mit Menschen umgeht, die Jahrzehnte ihre Knochen und ihr Gesicht hingehalten haben, um die Vorgaben der Politik umzusetzen.

Die Diskussion um die Silvester-Krawalle in Connewitz treibt irrwitzige Blüten, findet Morgenpost-Redakteur Alexander Bischoff.
Die Diskussion um die Silvester-Krawalle in Connewitz treibt irrwitzige Blüten, findet Morgenpost-Redakteur Alexander Bischoff.  © Ralf Seegers, Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild

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