Ende gut, alles gut!? Wie eine kleine Sächsin die ganz große Liebe fand

Von Thomas Gillmeister

Leipzig – Jahrelang stand sie auf der Schattenseite des Lebens. Madlen Ackermann (33), die von der seltenen Erbkrankheit Neurofibromatose betroffen ist, wurde gemobbt und ausgegrenzt.

Eineinhalb Köpfe ist André schon größer als seine Madlen. Na, und?
Eineinhalb Köpfe ist André schon größer als seine Madlen. Na, und?  © Picture Point/Kerstin Kummer

Die Kleinwüchsige igelte sich ein. Doch als sie auf ihren großen André (34) traf, wendete sich das Blatt zum Guten. Heute ist die Leipzigerin verlobt und Mutter eines süßen Mädchens.

Madlen genießt ganz intensiv die gemeinsamen Stunden mit ihrer Finja. "Sie ist ein richtiger Sonnenschein", schwärmt ihre Mutter. Vergessen sind ihre zahlreichen schlaflosen Nächte, in denen sie immer wieder grübelte, ob sie es wagen sollte, ein Kind zu bekommen.

Einerseits wünschte sie sich so gern eine Tochter. Andererseits wusste Madlen, dass über ihrer jungen Liebe ein Damoklesschwert namens Neurofibromatose schwebt. Sichtbare Zeichen der Erbkrankheit sind vor allem Milchkaffee-Flecken und gutartige Geschwülste und Knötchen auf der Haut.

Spot und Häme setzten Madlen ganz schön zu

Klappt auch nicht bei allen: André trägt sein Herzblatt gern auf Händen.
Klappt auch nicht bei allen: André trägt sein Herzblatt gern auf Händen.  © Picture Point/Kerstin Kummer

Madlen selbst hat die Krankheit zwar von ihrer Mutter geerbt, "doch bis heute bin ich noch ganz glimpflich ohne Operationen davongekommen", ist die Betroffene froh.

Trotzdem weiß sie, wie es sich schon als Kind anfühlt, etwas anders auszusehen als die Gleichaltrigen. "Ich wurde oft Fruchtzwerg genannt und ausgelacht", erinnert sich Madlen.

Sie verlor mit der Zeit das Selbstbewusstsein und zog sich zurück. Die Welt schien sich gegen sie verschworen zu haben. "Natürlich träumte ich in meinem bunten Mädchenzimmer von der großen Liebe. Aber nach den vielen Hänseleien glaubte ich zunehmend, dass sie einen Bogen um mich macht."

Was die rund 1,40 Meter kleine gelernte Köchin damals nicht ahnte: Bereits in der Schule hatte ein Junge ein Auge auf sie geworfen. André Huhn, über 1,80 Meter groß. Er traute sich aber nicht, sie anzusprechen. Als er sie Jahre später zufällig wieder traf, fasste er sich ein Herz und erzählte ihr, dass er es an sie verloren hat.

"Ich wollte es erst gar nicht wahrhaben, dachte an einen Scherz", meint Madlen. "Natürlich erklärte ich ihm meine Krankheit. Doch André machte mir schnell klar, dass er mich so liebt, wie ich nun mal bin."

Trotz Risiko entscheiden sich beide für ein Kind

Jetzt ist das Glück komplett! Das ungleiche Paar mit Töchterchen Finja.
Jetzt ist das Glück komplett! Das ungleiche Paar mit Töchterchen Finja.  © Picture Point/Kerstin Kummer

An vielen Abenden malten sich die im 7. Himmel schwebenden Sachsen aus, wie es wohl wäre, ein gemeinsames Kind zu haben. Aber die Erbkrankheit ließ bei ihnen immer wieder Zweifel aufkommen. Ärzte sahen die Gefahr bei 50 Prozent, dass auch der Nachwuchs mit dem Gendefekt geboren wird.

Schließlich entschied sich das Paar nach langem Abwägen für ein Kind. Madlen brachte es am 26. April 2017 auf die Welt. Nach einem Gentest ist nun klar, dass Finja die Krankheit mit den vielen Gesichtern geerbt hat. "Aber wir vergöttern unser Mädchen über alles und nehmen die Herausforderung an", sagt Madlen heute selbstbewusst. Und ihr André, ein Mann vom Typ Kümmerer, geht rührend in seiner Vaterrolle auf.

Im Sommer möchte das Paar nach fünf Probejahren endlich heiraten. "Dann habe ich eine Frau Huhn und ein kleines Hühnchen an meiner Seite", strahlt André.

Titelfoto: Picture Point/Kerstin Kummer


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