Warum wollte die 14-jährige Marie ihre Mitschülerin töten?

Die Oberschule Wiederitzsch wurde nach der Bluttat von der Polizei abgesperrt.
Die Oberschule Wiederitzsch wurde nach der Bluttat von der Polizei abgesperrt.

Von Alexander Bischoff

Leipzig - An einer Leipziger Oberschule hat eine 14-Jährige mitten im Unterricht ein Messer gezogen und wie besessen auf eine Mitschülerin eingestochen. Seit Dienstag versucht das Landgericht zu ergründen, was die nun wegen versuchten Mordes angeklagte Marie (14, Name geändert) zu der Wahnsinnstat trieb.

Der Fall: Es ist der 10. November 2015, 9.15 Uhr - die Klasse 8 a der Oberschule Wiederitzsch hat gerade in der zweiten Stunde Englisch. Plötzlich betritt die eigentlich krankgeschriebene Marie den Klassenraum.

Wortlos wirft die Tochter eines Polizisten ihre Tasche in die Ecke, zieht ein Messer und rammt es Mitschülerin Anna* (14) mehrfach in Schulter und Rücken.

Ihm soll sich Marie anvertraut haben: Kinder- und Jugendpsychiater Prof. Michael Günter tritt im Prozess als Gutachter auf.
Ihm soll sich Marie anvertraut haben: Kinder- und Jugendpsychiater Prof. Michael Günter tritt im Prozess als Gutachter auf.

Panikartig rennen die Schüler aus dem im Erdgeschoss gelegenen Klassenraum, einige springen aus dem Fenster. Mit Hilfe ihrer Lehrerin schafft es auch die schwer verletzte Anna ins Freie. Die Schulleitung löst Amok-Alarm aus. Kurze Zeit stürmt ein Großaufgebot Polizei in die Schule.

Seit der Bluttat ist Marie in der Psychiatrie untergebracht. Der Staatsanwaltschaft gelang es bisher nicht, ihr Motiv zu ergründen.

Dennoch geht die Anklage davon aus, dass der zierliche Teenager die Mitschülerin töten wollte.

Verhandelt wird - wie bei Strafverfahren gegen Kinder üblich - hinter verschlossenen Türen. Zum Prozessauftakt schwieg Marie. Laut Gerichtssprecher Hans Jagenlauf will sie sich vorerst nicht zu den Vorwürfen äußern.

Eine entscheidende Rolle im Prozess kommt dem renommierten Tübinger Kinder- und Jugendpsychiater Michael Günter (58) zu. Der Professor hat stundenlang in Maries Seele geschaut. Ihm soll sie sich anvertraut haben.

Die wieder genesene Anna lässt sich im Prozess von einer Anwältin als Nebenklägerin vertreten.

Das Jugendschöffengericht hat bis Juli terminiert.

Bis auf die Straße führte die Blutspur des Opfers, die hier von Kriminaltechnikern untersucht wird.
Bis auf die Straße führte die Blutspur des Opfers, die hier von Kriminaltechnikern untersucht wird.

Fotos: fotojump (2), R. Seegers, Klinikum Stuttgart


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