Sachsen-Asse berichten: Unmengen an Chlor im Olympia-Becken von Rio

Wer viel trainiert, muss auch was essen. Die deutschen Slalom-Asse testeten sogar den Straßenimbiss.
Wer viel trainiert, muss auch was essen. Die deutschen Slalom-Asse testeten sogar den Straßenimbiss.

Von Enrico Lucke

Rio de Janeiro - In wenigen Wochen beginnen die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro. Die Leipziger Kanuslalom-Asse Jan Benzien und Franz Anton waren bereits mehrfach in Brasilien, um auf der Wettkampfstrecke zu trainieren. Die Eindrücke der Zweier-Canadier-Weltmeister sind zwiespältig...

„Also die Menschen sind sehr nett und aufgeschlossen“, berichtet Anton. „Die Landschaft ist wahnsinnig toll, ich kann mich gar nicht sattsehen.“

Selbstverständlich hat der 26-Jährige die landestypischen Speisen probiert und für gut befunden. Unweit des olympischen Wildwasserkanals gibt‘s eine kleine Bar, in der die Asse mittags gegessen haben. Rote-Bete-Salat, Knoblauch-Spaghetti oder schwarze Bohnen mit Reis, Fleischbällen und Nudelsalat.

Der 270 Meter lange Wildwasserkanal weckt bei den Leipziger Weltmeistern Franz Anton (l.) und Jan Benzien die Vorfreude auf die Olympischen Spiele.
Der 270 Meter lange Wildwasserkanal weckt bei den Leipziger Weltmeistern Franz Anton (l.) und Jan Benzien die Vorfreude auf die Olympischen Spiele.

Ein Essen kostet mit Getränk 15 Real, macht rund vier Euro. „Und es schmeckt gut“, sagt Franz. „Ich habe die Erfahrung gemacht, die kleinen, einfachen Bistros bieten bessere Qualität als die richtigen Restaurants, weil die Mütterchen ihre Essen frisch kochen.“

Aber es gibt eben auch die Schattenseiten. „Die Unterschiede zwischen Arm und Reich sind hier extrem“, findet Benzien.

„Das Olympiagelände, wo unter anderem das Olympische Dorf und die Sportstätten sowie das Deutsche Hause sind, liegen im Reichenviertel Barra. Dort ist alles schick. Die Straßen haben sogar Fahrbahnmarkierungen. Aber wir habe eben auch die Dritte Welt gesehen.“

In einem der Armenviertel war ein Pavillon aufgebaut. Darunter zwei, drei Schränke, ein Wasserfass daneben und ein Mann wartete auf Kundschaft.

Jan Benzin (l.) und Franz Anton finden den Chlor-Eimer-Berg sehr lustig. Zumindestens ist ihr Wasser so fast keimfrei.
Jan Benzin (l.) und Franz Anton finden den Chlor-Eimer-Berg sehr lustig. Zumindestens ist ihr Wasser so fast keimfrei.

„Wir wussten anfangs nicht, was das ist. Es stellte sich heraus, es war eine Autolackiererei“, so Franz.

Und sie wurden Zeugen, wie auf dem Weg zum Training in der Nähe von Favelas plötzlich zwei bewaffnete Männer aus einem Auto sprangen und zwei andere aus einem Auto zum Aussteigen zwangen.

Neben den bekannten Problemen stellt sich auch die Frage, ob die Sportstätten und Infrastruktur rechtzeitig fertig werden?

„Am Kanupark gibt‘s noch nicht mal Umkleiden für uns Sportler, nur ein paar Duschen direkt am Ausstieg“, berichtet Franz.

Und Jan fügt ironisch hinzu. „Aber wenigstens haben wir keine Probleme mit verschmutztem Wasser. Dafür sorgen Unmengen an Chlor, die hineingekippt werden.“ Berge an Kanistern stehen direkt neben der Strecke. „Der eine oder andere wird wohl im Wasser sein“, scherzt der 33-Jährige süffisant.

Das Problem der Anlage ist, es fließt kein Frischwasser zu. „Seit November ist das selbe Wasser drin und schon eine Menge verdunstet“, so Franz. Sein Zweier-Partner ist aber sicher:

„Die Sportstätten werden alle fertig, zwar im Rio-Stil und sie werden nicht lange halten, aber für die TV-Bilder wird alles schick sein und wir werden schöne Spiele erleben.“

Nach einer kleinen Bergkraxeltour haben Franz Anton, Jan Benzien und ihr Leipziger Vereinskollege David Schröder den Ausblick auf Rio de Janeiro genossen.
Nach einer kleinen Bergkraxeltour haben Franz Anton, Jan Benzien und ihr Leipziger Vereinskollege David Schröder den Ausblick auf Rio de Janeiro genossen.
Unglaublich! So sieht in Rio eine Autolackiererei auf der Straße aus.
Unglaublich! So sieht in Rio eine Autolackiererei auf der Straße aus.
Extremer Kontrast: Am Strand das Nobelviertel, am Berghang die Armenviertel.
Extremer Kontrast: Am Strand das Nobelviertel, am Berghang die Armenviertel.

Fotos: Franz Anton


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