Ob High Heels, Stiefel oder Badelatschen: Wieso werden hier alle Schuhe pink angemalt?

Leipzig - Über 200.000 Menschen sterben jährlich in Deutschland an Krebs. Vorsorge ist darum wichtig. In Leipzig läuft seit Jahren eine Aktion, die daran erinnert - mit pinkfarbenen Schuhe.

Auch im Vorjahr verwandelte sich der Leipziger Augustusplatz vor der Oper in ein pinkfarbenes Meer aus Schuhen aller möglichen Arten.
Auch im Vorjahr verwandelte sich der Leipziger Augustusplatz vor der Oper in ein pinkfarbenes Meer aus Schuhen aller möglichen Arten.

High Heels, Sandalen, Stiefel oder auch Badelatschen - alle in unterschiedlichen Pinktönen angepinselt und reich verziert. Einige Tausend extravagante Schuhe stehen in diesem Jahr wieder am 29. September beim Pink Shoe Day für ein sehr ernstes Thema.

Auf dem Leipziger Augustusplatz werden sie drapiert und sollen das Thema Brustkrebsvorsorge mehr in den Blick rücken. "Wir wollen mit diesen kleinen Kunstwerken aufrütteln", sagt Uta Büchner, Landesvorsitzende des Vereins Frauenselbsthilfe Berlin-Brandenburg, die sich erneut beteiligt.

Bereits zum sechsten Mal seit 2012 organisiert die Leipziger Initiative Haus Leben den Pink Shoe Day. Die öffentliche Wahrnehmung müsse noch stärker werden, das könne Leben retten, sagt Büchner. "Viele Frauen vernachlässigen die Vorsorge, weil sie denken, es wird mich schon nicht treffen." Das sei aber ein Trugschluss. Die Gefahr zu erkranken, werde einfach unterschätzt.

In Sachsen erkranken pro Jahr rund 15.110 Männer und 11.980 Frauen an Krebs, je etwa die Hälfte sterben daran, so Angaben des sächsischen Gesundheitsministeriums mit Hinweis auf den jüngsten Landesbericht des Gemeinsamen Krebsregisters der ostdeutschen Länder und Berlins von 2017. Fast die Hälfte der Frauen und Männer leiden an den drei häufigsten Krebsarten Brust- oder Prostata- sowie Darm- und Lungenkrebs. Dabei nahmen Lungen- und Brustkrebs bei Frauen zu.

Doris Bastian vom Verein "Frauenselbsthilfe nach Krebs" kümmert sich mit einem Pinsel und viel pinker Farbe um einen High Heel.
Doris Bastian vom Verein "Frauenselbsthilfe nach Krebs" kümmert sich mit einem Pinsel und viel pinker Farbe um einen High Heel.  © DPA

Die Frauenselbsthilfegruppe Bad Belzig von Büchner, die selbst vor 22 Jahren als 35-Jährige erkrankte, will wie im Vorjahr wieder etwa 1000 Schuhe nach Leipzig schicken.

"Gemeinsam werden sie seit Wochen mit dem Pinsel rosa angemalt. Dann werden Blumen, Ketten, kleine Kuscheltiere oder anderer Schmuck aufgeklebt oder aufgenäht", schildert Büchner. Landesweit gibt es etwa 70 Selbsthilfegruppen für krebskranke Menschen und ihre Angehörigen.

Die 30 Frauen von Büchners Gruppe drücken auch mit der Gestaltung ihre persönlichen Gefühle aus: Wollen Mut und Hoffnung zeigen, aber auch dass es trotz der Erkrankung Gelegenheiten zum gemeinsamen Lachen gibt. Warum werden eigentlich Schuhe für diese Aktion verwendet, werde sie oft gefragt. "Jeder trägt Schuhe und jeden kann die Krankheit treffen", antwortet Büchner dann.

Die Schuhe werden meist von Erkrankten selbst oder - sollten sie den Kampf verlieren - nach deren Tod durch Angehörige zur Verfügung gestellt. "In diesem Jahr hat ein Sohn Schuhe seiner an Brustkrebs verstorbenen Mutter vorbeigebracht", berichtet Büchner. Sie sollen noch einen besonderen Zweck erfüllen, habe er bei der Übergabe gesagt.


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