Zum 80. Jahrestag: Leipzig gedenkt der Opfer der November-Pogrome

Leipzig - Hunderte jüdische Bürgerinnen und Bürger wurden angegriffen und verhaftet, Wohnungen und Geschäfte zerstört und die große Synagoge in Leipzig in Brand gesteckt. Es ist der 10. November 1938. Der Tag der November-Pogrome. 80 Jahre später gedenkt die Messestadt nun den Opfern der schrecklichen Ereignisse. Die erste Veranstaltung fand bereits am Freitag statt.

Das Banner am Leipziger Rathaus.
Das Banner am Leipziger Rathaus.  © DPA

Mit einem rund 40 Quadratmeter großen Banner an der Südfassade des Neuen Rathauses erinnert die Stadt seitdem an die Pogrome der Nationalsozialisten.

"Die Pogromnacht ist in diesem November 80 Jahre her, es gibt kaum noch Zeitzeugen, die aus eigener Erfahrung über die Schrecken von damals berichten können. Gleichzeitig zeigt sich heute, wie Fremdenhass, Pöbeleien und eine zunehmend verrohende politische Kultur auch in Deutschland wieder um sich greifen", sagte Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) anlässlich der Präsentation des Banners. "'Unmenschlichkeit beginnt mit Worten‘ – das galt vor 80 Jahren und das gilt auch heute. Halbwahrheiten, Lügen und üblen Beschimpfungen muss sich jeder Einzelne von uns entgegenstellen."

Neben dem Banner plant die Stadt eine ganze Reihe weiterer Veranstaltungen anlässlich des 80. Jahrestages:

  • Am 8. November richtet die Projektgruppe EnterHistory ab 11 Uhr im Ariowitsch-Haus (Hinrichsenstraße 14) den Netzwerktag jüdische Geschichte Leipzigs und Engagement gegen Antisemitismus und Rassismus mit dem Motto „Es war einmal?“ aus. An gleicher Stelle können sich Besucher bis zum 31. Dezember die Ausstellung „BRUCH | STÜCKE – Die Novemberpogrome in Sachsen 1938“ ansehen
  • Für den 9. November organisiert der Verein Erich-Zeigner-Haus die Säuberung von Stolpersteinen. Mit Mahnwachen soll zudem an die Opfer des Holocaust erinnert werden.
  • Der Gottesdienst in der Thomaskirche am 11. November um 18 Uhr ist dem Gedenken an die Pogromnacht gewidmet. Die Jüdisch-Christliche Arbeitsgemeinschaft lädt am 12. November, 17 Uhr, zum Friedensgebet in die Nikolaikirche.
  • Studierende der Leipziger Hochschule für Musik und Theater bringen (am 10., 11., 12. und 13. November jeweils 19:30 Uhr sowie am 13. November, 11 Uhr) mit „Freiberg“ und „Letzte Tage £ódŸ“ zwei Kammeropern zur Aufführung, die von den letzten Momenten des Weltkrieges handeln. Die Libretti sind aus den Berichten von Überlebenden entstanden.

  • Die zentrale Gedenkveranstaltung findet am 9. November, 9.30 Uhr, am Ort der zerstörten Synagoge Ecke Gottsched- und Zentralstraße statt. Neben Ansprachen von unter anderem Oberbürgermeister Jung und Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) wird die 1922 in Leipzig geborene Jüdin Eva Wechsberg ihre persönlichen Erinnerungen an die Pogrome schildern.

    Laut Stadtverwaltung lebten in Leipzig 1935 etwa 15.000 jüdische Frauen, Männer und Kinder, die nach In- Krafttreten der "Nürnberger Rassegesetze“ verfolgt wurden. Nach dem Ende des Krieges im Mai 1945 zählte die jüdische Gemeinde nur noch 20 Mitglieder. Heute erinnern unter anderem 480 "Stolpersteine“ an die Wohnorte ehemaliger jüdischer Leipzigerinnen und Leipziger.

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