"Klassisches Eigentor": Leipziger Linke stellt OB Jung an den Pranger

Freitagmittag enthüllten (v.l.) Franziska Riekewald, Margitta Hollick, Sören Pellmann und William Grosser von der Leipziger Linken das Porträt des Alt-Oberbürgermeisters Erich Zeigner.
Freitagmittag enthüllten (v.l.) Franziska Riekewald, Margitta Hollick, Sören Pellmann und William Grosser von der Leipziger Linken das Porträt des Alt-Oberbürgermeisters Erich Zeigner.  © Birthe Kleemann

Leipzig - Am Freitagmittag enthüllte die Stadtratsfraktion der Leipziger Linken ein Porträt von Erich Zeigner, der von 1945 bis 1949 Oberbürgermeister der Messestadt war.

Die Aktion stellt den Protest gegen die Entscheidung des amtierenden Oberbürgermeisters Burkhard Jung (59, SPD) dar.

Der hatte am vergangenen Freitag die Galerie von Alt-Oberbürgermeistern im Neuen Rathaus eröffnet. Auffällig dabei: Zeigner (†63, ehemals SPD, später SED) fehlte in der Galerie. Als Erklärung gab Jung an, dass dieser nicht durch demokratischen Entscheid zum Stadtoberhaupt gewählt worden war (TAG24 berichtete).

Das stieß bei der Fraktion der Linken sauer auf. "Die Argumente des Oberbürgermeisters sind an den Haaren herbeigezogen", so Bundestagsabgeordneter Sören Pellmann (41) bei der Enthüllung des Erich-Zeigner-Porträts im Neuen Rathaus. "Das ist, als würde man die Nazi-Diktatur mit der DDR gleichsetzen. Zeigner war als Sozialist und Antifaschist einer der wichtigsten."

Durch die Aktion solle der OBM angeregt werden, seine Entscheidung nochmals zu überdenken. Und wenn das nicht passiert, hat die Fraktion schon eine andere Idee: Sollte das Bild bis zum 7. März nicht in der Ahnengalerie hängen, soll Burkhard Jung das Kunstwerk zu seinem 60. Geburtstag überreicht bekommen.

Ob der Oberbürgermeister da noch schlichten kann? "Nach meiner Auffassung war es ein klassisches Eigentor", ärgert sich Sören Pellmann. Auch Margitta Hollick, Sprecherin für Schul- und Bildungspolitik, kann die Entscheidung von Jung nicht verstehen. Nur durch Zufall habe sie von der Eröffnung der Ahnengalerie erfahren, erzählte sie TAG24. "Das hat mich einfach wütend gemacht."

Ob das Stadtoberhaupt bereits wusste, dass seine Entscheidung für Ärger sorgen könnte? Bisher äußerte sich Jung nicht zu den jüngsten Entwicklungen. Spätestens bis zum 7. März wird sich wohl zeigen, ob Zeigner in Zukunft im Neuen Rathaus hängen darf oder nicht.

Titelfoto: Birthe Kleemann


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