Mit gefakten Schadensfällen: Netzwerk um Allianz-Gutachter soll 1,4 Mio. Euro abgezockt haben

Leipzig - Ein illustres Netzwerk aus Hausbesitzern, Handwerkern und Verwaltern soll in Leipzig die Allianz-Versicherung um rund 1,4 Millionen Euro betrogen haben. Dem mutmaßlichen Kopf der Riesenabzocke wird seit Dienstag der Prozess gemacht - wegen Untreue. Der Mann war 17 Jahre lang Schadensgutachter der Allianz.

Ihm werden 56 Fälle der Untreue vorgeworfen: Ex-Schadensgutachter Alexander N. (55).
Ihm werden 56 Fälle der Untreue vorgeworfen: Ex-Schadensgutachter Alexander N. (55).  © Ralf Seegers

Die Jahre 2007 bis 2009 müssen für die Leipziger Allianz-Dependance besonders schadensreich gewesen sein. Immer wieder fluteten defekte Wasserrohre, Geschirrspüleranschlüsse und Fußbodenheizungen ganze Häuser, mussten Unmengen Hausrat ersetzt, Parkettböden erneuert, Decken und Wände neu tapeziert werden.

Erst 2009 fiel internen Prüfern auf, dass die Katastrophen immer nur bei einem Kollegen aufliefen - beim Leipziger Schadensgutachter Alexander N. (55). Als sich Anzeichen für Betrug häuften, setzte die Allianz ihren Außendienstler vor die Tür und übergab die Sache der Staatsanwaltschaft. Fünf Jahre ermittelte die Behörde und legte dabei ein Netzwerk frei, das den Versicherungskonzern mit gefakten Schadensmeldungen schamlos abgezockt haben soll.

Laut Anklage lief das so ab: Von N. instruierte Hauseigentümer oder -verwaltungen meldeten Schäden, die es gar nicht gab. Am Komplott beteiligte Handwerker wie Bodenleger und Trockenbauer steuerten aus ihrem Fundus entsprechende Bilder bei und schrieben Rechnungen für die Beseitigung der Schäden.

Die Allianz-Zentrale in Leipzig - insgesamt 1,4 Millionen Euro Schaden sollen dem Unternehmen entstanden sein.
Die Allianz-Zentrale in Leipzig - insgesamt 1,4 Millionen Euro Schaden sollen dem Unternehmen entstanden sein.  © Ralf Seegers

Gutachter N. soll das dann als Beauftragter der Versicherung abgesegnet haben, so dass bis zu 132.000 Euro pro "Schadensfall" ausgezahlt wurden. Wie das betrügerische Netzwerk, zu dem laut Anklage auch bekannte Leipziger Ärzte gehörten, das ergaunerte Geld untereinander aufteilte, soll der Prozess klären.

Die Staatsanwaltschaft hat Alexander N. in 56 Fälle der Untreue angeklagt, bei denen der Allianz ein Schaden von insgesamt 1,4 Millionen Euro entstanden sein soll. Mitangeklagt ist Thomas G. (55), dem Beihilfe vorgeworfen wird. Der Fleischer soll N. betrugswillige Versicherungsnehmer vermittelt haben. Beide Herren wollten gestern keine Angaben zur Sachen machen, beantragten jedoch über ihre Anwälte die Einstellung des Verfahrens wegen "überlanger Dauer".

Das Gericht will am 29. Januar darüber entscheiden.

Mehr zum Thema Leipzig Crime: