Vermeintlicher Angriff auf Polizisten in Connewitz: War alles ganz anders?

Leipzig - Nachdem die Leipziger Polizei über einen Vorfall am vergangenen Mittwochabend in Connewitz berichtete, manifestieren sich zwei Darstellungen. Während die Beamten von einer Versammlung teils vermummter Personen sprachen, erklärt die Gruppe "Presse-Kollektiv 04277", dass es sich um eine Spontan-Demonstration in Reaktion auf den Anschlag in Halle (Saale) am selben Tag gehandelt hatte.

Am Mittwoch kam es zu einer Auseinandersetzung in Leipzig-Connewitz. (Symbolbild)
Am Mittwoch kam es zu einer Auseinandersetzung in Leipzig-Connewitz. (Symbolbild)  © DPA

Gegen 22.45 Uhr waren etwa 80 Personen vom Connewitzer Kreuz aus in Richtung Stadt marschiert (TAG24 berichtete). Dabei sollen die Teilnehmer laut Polizei Pyrotechnik gezündet und die Einsatzkräfte angegriffen haben. Etwa auf Höhe Bernhard-Göring-Straße/Richard-Lehmann-Straße sollen die Demonstranten zum Halt aufgefordert worden sein.

Das Presse-Kollektiv beschreibt einen anderen Ablauf: "Anstatt die Demonstrant*innen via Lautsprecher der Einsatzfahrzeuge zum Anhalten und Anmelden der Spontandemonstration auf zu fordern, wurde ein Bedrohungsszenario geschaffen.

Die Polizeifahrzeuge versuchten die Demonstration von allen Seiten einzukesseln und die Beamt*innen sprangen in voller Montur abrupt aus den Fahrzeugen und versuchten die eingeschüchterten Demo-Teilnehmer*innen zu jagen." (Rechtschreibung übernommen)

Den ersten Sichtkontakt gab es laut dem Kollektiv auf Höhe der Karl-Liebknecht-Straße/Fichtestraße.

Pressestelle der Polizei prüft Sachverhalt erneut

Die Polizei Leipzig will der Fall noch einmal prüfen.
Die Polizei Leipzig will der Fall noch einmal prüfen.  © ddp/Sebastian Willnow

Die Gruppe trug ein Transparent mit der Aufschrift "Dass Auschwitz nie wieder sei!" sowie eine Isreal-Fahne bei sich.

"Einen Zusammenhang mit dem rechten Terroranschlag hätte die eintreffende Polizei einfach ziehen und das Begehren der Demo, an die Todesopfer antifeministischer und antisemitischer Gewalt zu gedenken, entsprechend begleiten können. Stattdessen drängten mehrere Einsatzfahrzeuge die friedliche Demonstration in die Fichtestraße und anschließend in die Bernhard-Göring-Straße/Richard-Lehmann-Straße ab", so Kollektiv-Sprecherin Lea Wohl.

Auch, dass Pyrotechnik zum Einsatz kam, dementiert die Gruppe. Wohl weiter: "Zu guter Letzt verhinderte die Polizei gar eine Anmeldung der Versammlung und unterband das Recht auf Versammlungsfreiheit. So stand eine Person zur Verfügung, die die Demonstration anmelden wollte, jedoch nicht zur Einsatzleitung durchgelassen wurde. Die Polizei hat keine Kontaktaufnahme zugelassen, für das Ermöglichen einer politischen Versammlung, ein Grundrecht in diesem Land." Vielmehr sollen fünf Personen von den Beamten zu Boden gestoßen worden sein.

Abschließend fordert die Kollektiv-Sprecherin, dass die Polizei ihre Darstellung der Ereignisse wahrheitsgemäß darlegt und die eröffneten Verfahren gegen die Demo-Teilnehmer*innen zurücknimmt.

Auf TAG24-Nachfrage äußert sich Uwe Voigt, Pressesprecher der Polizei in Leipzig: "Wir haben das Schreiben des Kollektivs zur Kenntnis genommen und werden den Sachverhalt noch einmal mit den vor Ort eingesetzten Einsatzkräften überprüfen."

Mehr zum Thema Leipzig Lokal:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0