Scherben und Buttersäure in neuer Konsum-Filiale: Bekennerschreiben aufgetaucht

Leipzig - Noch bevor die neue Konsum-Filiale im Leipzig-Plagwitz am Donnerstagmorgen eröffnete, gab es schon die ersten Schäden. In der Nacht zuvor hatten unbekannte Täter 52 Scheiben des Westwerks, wo die Filiale eingemietet ist, zerstört und Buttersäure in den Vorraum geworfen (TAG24 berichtete).

In der Nacht zu Donnerstag warfen unbekannte Täter 52 Scheiben des Westwerks ein.
In der Nacht zu Donnerstag warfen unbekannte Täter 52 Scheiben des Westwerks ein.  © Alexander Bischoff

Kurze Zeit später tauchte auf der linksorientierten Online-Plattform indymedia ein Bekennerschreiben auf. "Wir haben in letzter Zeit das Westwerk betrachtet und sind unserem Impuls nachgegangen, angesichts der drohenden Konsumeröffnung einige Steine, Bitumen [Erdpech, Kohlenwasserstoffgemisch, enthält Schwefel (Anm. d. Red.)] und Buttersäure dazulassen", äußern sich die Täter in dem Portal.

Der Anschlag wird als Zeichen gegen die Verdrängung verschiedenster Projekte aus dem Leipziger Westwerk dargestellt. Vor zwei Jahren wurden etlichen Mietern die Verträge gekündigt (TAG24 berichtete). Die Initiative "Westwerk retten" stellte daraufhin ein Lösungskonzept zusammen, doch die Kündigungen blieben bestehen.

Wo früher Künstler, Handwerker, Vereine und andere zu günstigen Preisen in dem baufälligen Gebäude angesiedelt waren, siedelten sich nach der Instandsetzung unter anderem eine Billard-Halle und zuletzt die 62. Leipziger Konsum-Filiale an. So flog damals unter anderem die Kunsthalle "Westpol" aus dem Werk in Plagwitz. Laut Besitzer Peter Sterzing hätten die Betreiber der Galerie damals fünf Jahre lang keine Miete zahlen müssen.

Zweite Attacke in kurzer Zeit

Neben den Scheiben, die zu Bruch gingen, wurde das Gebäude auch mit Buttersäure und Bitumen attackiert.
Neben den Scheiben, die zu Bruch gingen, wurde das Gebäude auch mit Buttersäure und Bitumen attackiert.  © Alexander Bischoff

"Das Westwerk war bis vor einigen Jahren ein Ort in dem viele unterschiedliche Projekte für geringe Mieten Platz hatten und die für Menschen mit wenig Geld offen waren. Das wurde geändert", heißt es in dem Bekennerschreiben auf indymedia. In der ehemaligen Industriehalle ginge es laut den Schreibern nun vor allem darum, Geld zu verdienen und zu konsumieren. "Und weil uns das nicht gefällt haben wir einiges kaputt gemacht."

Für Konsum-Besitzer Dirk Thärichen (49) ist die Attacke unverständlich: "Wir haben niemanden verdrängt - das war ein leerer Raum", sagte der 49-Jährige am Donnerstag zu TAG24. Thärichen sprach von einem gedeihlichen Miteinander. Schließlich sei das Unternehmen Ur-Plagwitzer.

Wie die Polizei am Freitagmorgen mitteilte, kam es direkt am Eröffnungstag zu einem weiteren Vorfall: Gegen 19.40 Uhr warfen drei unbekannte Personen vom Eingangsbereich aus mit einer gekochten Kartoffel nach einem Kassierer.

Kurz darauf stellten Polizisten eine Gruppe von acht Personen ohne festen Wohnsitz vor dem Gebäude fest und erteilte ihnen einen Platzverweis.

Dieses Schreiben tauchte kurz nach dem Anschlag auf.
Dieses Schreiben tauchte kurz nach dem Anschlag auf.  © Screenshot/ indymedia

Mehr zum Thema Leipzig Crime:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0