Protestaktion! Aufgebrachte TeBe-Fans besuchen Roter Stern Leipzig

Leipzig/Berlin - Der Bus nach Leipzig geht früh - 50 Fans des Berliner Oberligisten Tennis Borussia fahren zur Partie von Roter Stern Leipzig, 50 weitere Anhänger reisen separat an. Nur spielen die Sachsen gar nicht in der Oberliga - und auch nicht gegen TeBe. Stattdessen sehen die TeBe-Fans eine für sie im Grunde unbedeutende Partie gegen den VfB Zwenkau (1:2). Sie gehen fremd. Aus Protest gegen einen Geldgeber. Und das eine komplette halbe Saison lang - 17 Termine umfasst ihre "Caravan of Love"-Tour.

Roter Stern Leipzig verlor das Ligaspiel gegen den VfB Zwenkau 1:2. Das interessierte die Unterstützer von TeBe aus der Hauptstadt aber eher weniger.
Roter Stern Leipzig verlor das Ligaspiel gegen den VfB Zwenkau 1:2. Das interessierte die Unterstützer von TeBe aus der Hauptstadt aber eher weniger.  © Christoph Soeder/dpa

"Kleine engagierte Fan-Szene sucht vorübergehend Verein, der für eine demokratische Kultur und gegen Rassismus, Sexismus und Homophobie einsteht" – mit einer Zeitungsannonce suchten die Fans Anfang Februar neuen Anschluss. Sie hatten ihrem Verein den Rücken gekehrt, weil sie sich dort nicht mehr respektiert und willkommen fühlen (TAG24 berichtete).

Nun wollen sie neue Strukturen bis hin zu einer Vereinsneugründung im Sommer entwickeln. Mehrere Mitglieder der "Abteilung Aktive Fans (TBAF)" sagten der Deutschen Presse-Agentur, dass es diese Gedankenspiele gebe. Damit würden sie dem Beispiel von anderen Fanabkopplungen folgen - in Manchester, Wimbledon, Salzburg, Leipzig oder Hamburg. Bei dem früheren Bundesligisten spiegelt sich im Kleinen, dass sich Fans im modernen Fußball häufig nicht mehr berücksichtigt fühlen.

Die TeBe-Anhänger werfen dem Vorstandsvorsitzenden und Geldgeber Jens Redlich vor, den Traditionsverein aus Berlin-Charlottenburg gekapert zu haben. Als sie versuchten, mit eigenen Kandidaten für den Aufsichtsrat wieder mehr Einfluss und Kontrolle zu gewinnen, eskalierte die Situation bei einer turbulenten Mitgliederversammlung Ende Januar.

TeBe-Boss bezeichnet Fans als "Söldner"

Carsten Bangel ist ehemaliger Stadionsprecher bei Tennis Borussia Berlin und Mitglied der Tennis Borussia Aktive Fans (TBAF). Auch er war mit nach Leipzig gereist.
Carsten Bangel ist ehemaliger Stadionsprecher bei Tennis Borussia Berlin und Mitglied der Tennis Borussia Aktive Fans (TBAF). Auch er war mit nach Leipzig gereist.  © Christoph Soeder/dpa

Mehr als doppelt so viele Menschen als gewöhnlich füllten den Sitzungssaal - die TeBe-Fans hatten viele vorher noch nie gesehen.

Mithilfe zahlreicher kurzfristig in den Verein eingetretener Neumitglieder, die sogleich mit jeweils vier Stimmen ausgestattet waren, wurden fünf Kandidaten von Redlich in den Aufsichtsrat gewählt - anstelle der von den Fans aufgestellten Anwärter. Es kam zu Handgreiflichkeiten. Und zum Bruch.

Seitdem sind zwischen 100 und 200 TeBe-Fans auf ständiger Auswärtstour.

Sie besuchen die Berliner Konkurrenz wie TuS Makkabi, FSV Hansa 07, Tasmania Berlin, aber auch den Namensvetter Tennis Borussia Rampach in Wiesbaden oder den Roten Stern in Leipzig. "Das sind für mich keine Fans, sondern Söldner", sagt Jens Redlich, "wenn man seinen Verein liebt, kehrt man ihm nicht den Rücken zu."

Ob die Tour fortgesetzt wird, weiß niemand. "Die Tour ist ein guter Weg, erst einmal als Fanszene zusammen zu bleiben", ist von vielen abtrünnigen TeBe-Fans zu hören, "es werden aber sicher irgendwann weniger", sind sie sich einig, "am Ende wollen wir wieder zu TeBe, das ist unser Verein."

Fremdgehen funktioniert halt nie auf Dauer.

Vor der Partie waren die Anhänger aus Berlin zum Stadion nach Connewitz gezogen.
Vor der Partie waren die Anhänger aus Berlin zum Stadion nach Connewitz gezogen.  © Christoph Soeder/dpa

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