Raub, Randale, Demos: So proben unsere Polizisten den Ernstfall

Leipzig - Fußball-Randale, Demos, Nachtstreifen - an 2 872 Einsätzen waren sächsische Bereitschaftspolizisten im vergangenen Jahr beteiligt. Wie sich die Frauen und Männer unter den Helmen auf harte Auseinandersetzungen vorbereiten, ist eigentlich geheim. Doch am Donnerstag gewährte eine Hundertschaft Einblicke in ihr Training.

Seitenwechsel: Hier dürfen Polizisten mal richtig Randale machen. Ihre Kollegen sollen üben, die Barrikade aufzulösen und die Rädelsführer im Pyro-Chaos dingfest zu machen.
Seitenwechsel: Hier dürfen Polizisten mal richtig Randale machen. Ihre Kollegen sollen üben, die Barrikade aufzulösen und die Rädelsführer im Pyro-Chaos dingfest zu machen.  © dpa/Peter Endig

Es sind drei klassische Szenarien, die Hundertschaftsführer Ronny Golze (39) mit seinem Team durchzuspielen hat. Zuerst treffen zwei Gruppen Jugendlicher aufeinander. Die einen sind scharf auf Handys und Turnschuhe der anderen. Eine Messerklinge blitzt auf, ein Verletzter liegt am Boden.

"Hatten wir erst vor drei Wochen in Leipzig", sagt Golze, während seine Männer den in rote Westen gehüllten Angreifern nachjagen und andere Beamte das (kunst)blutverschmierte Opfer versorgen. Wenig später liegen die Räuber mit gefesselten Händen am Boden. Ihr Anführer wird von Polizeihund Ypsilon (6) aus seinem Versteck gejagt.

Szenario zwei ist der Fußball-Klassiker: Hools mischen andere Fans auf. "Das dauert zu lange", ruft Golze in sein Funkgerät, während die ersten Einsatzkräfte anrollen. Im Pyro-Rauch watschen sich die für die Übung als Fans eingeteilten Beamten gegenseitig ab, was ein wenig wie Hütten-Gaudi ausschaut. "Die Bullen kommen", schreit einer - und schon ist die wilde Horde von Kollegen in Vollmontur und Polizeihunden eingekreist.

"Unsere Ausrüstung wiegt 28 Kilo", erzählt BePo-Urgestein Volker Fütterer (53, seit 1985 dabei). Verdammt viel, um schnell zu sein. "Und wenn sie dann noch an einem heißen Sommertag stundenlang beim Fußball-Einsatz stehen ...", deutet Fütterer an, weshalb Bereitschaftspolizisten keine Sauna brauchen.

Heiß wird's auch beim dritten Szenario. Vermummte haben sich hinter einer qualmenden Barrikade zusammengerottet und bewerfen die Polizei. In diesem Fall mit Holzklötzen, da Pflastersteine zur Übung zu gefährlich wären. Wasserwerfer und Räumpanzer kommen zum Einsatz, anschließend legt die Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) los. Diese Beamten müssen im Chaos zwischen Randalierern, Mitläufern und Umstehenden unterscheiden - und sich dann die Richtigen greifen.

Zwei Bereitschaftspolizisten haben nach einem simulierten Straßenraub unter Jugendlichen einen Verdächtigen am Boden fixiert.
Zwei Bereitschaftspolizisten haben nach einem simulierten Straßenraub unter Jugendlichen einen Verdächtigen am Boden fixiert.  © dpa/Peter Endig
Steine auf die "Bullen". Mit Holzklötzern bewerfen Beamte im Randalierer-Modus die anrückende Bereitschaftspolizei. Die antwortet mit Wasserwerfer und Räumpanzer.
Steine auf die "Bullen". Mit Holzklötzern bewerfen Beamte im Randalierer-Modus die anrückende Bereitschaftspolizei. Die antwortet mit Wasserwerfer und Räumpanzer.  © dpa/Peter Endig

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