Darum geht's in Sachsens erstem Gebärdensprachen-Prozess

Die Angeklagte: Tobias K., Martin K. und Jasmin H. (v.l.n.r.)
Die Angeklagte: Tobias K., Martin K. und Jasmin H. (v.l.n.r.)  © Ralf Seegers

Leipzig - Geiselnahme unter Gehörlosen: Weil sie sich um ihren Beuteanteil aus Metalldiebstählen betrogen fühlten, sollen ehemalige Schüler des Berufsbildungswerks für Hör- und Sprachbehinderte den "Kassierer" ihrer Gang gekidnappt haben. 

Drei Beteiligte stehen jetzt vor Gericht. Es ist der erste Prozess in Sachsen, der komplett in Gebärdensprache geführt wird.

Fünfeinhalb Jahre brauchte die Justiz, um diesen Fall vor den Kadi zu bringen. Im Mai 2011 kam es in einer aus gehörlosen Berufsschülern bestehenden Bande, die für mehrere Buntmetall-Diebstähle verantwortlich sein soll, zum Streit. 

Laut Anklage hatte Florian S. (30) geklautes Kupferkabel im Wert von 2234 Euro im Schrotthandel zu barer Münze gemacht, die Beute aber nicht geteilt.

Jeweils zwei Gebärdendolmetscher sitzen im Gericht jedem Angeklagten gegenüber. Ein weiterer steht für Zeugenaussagen bereit.
Jeweils zwei Gebärdendolmetscher sitzen im Gericht jedem Angeklagten gegenüber. Ein weiterer steht für Zeugenaussagen bereit.  © Ralf Seegers

Den Ermittlungen zufolge lockten die jetzt angeklagten Martin K. (28), Tobias K. (27) und Jasmin H. (25) ihren "Kassierer" daraufhin in eine verlassene Fabrikhalle.

Dort erschien dann plötzlich ein maskierter Mann mit Pistole, dessen Identität die Staatsanwaltschaft bisher nicht klären konnte. Gemeinsam zwang man Florian S. in die Knie, misshandelte ihn mit Schlägen und Tritten.

Laut Anklage forderten die Erpresser vom Opfer 3000 Euro, drohten ihm sogar mit dem Tod. Weil Florian S. vorgab, das Geld daheim zu haben, fuhr die Truppe im Konvoi nach Hildburghausen. Dem in der Mitte im eigenen Auto fahrenden Opfer gelang es jedoch, die Kidnapper abzuschütteln. Mit Vollgas raste S. zur Polizei.

Während Jasmin gestern keine Angaben machte, gaben Martin und Tobias an, bei der als erpresserischer Menschenraub angeklagten Aktion dabei gewesen zu sein. Die Gewalt, so die Angeklagten, sei aber vom ominösen Maskenmann ausgegangen, einem gewissen Sven M..

Insgesamt sechs Gebärdendolmetscher übersetzten gestenreich jedes Wort. Der Prozess wird fortgesetzt.


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0