Darum entschied sich Sports-Kanone Leo für die Amputation seines Beines

Leo und Kumpel Tim beim Bolzen. Seit der Amputation ist Leo wieder voll am Start.
Leo und Kumpel Tim beim Bolzen. Seit der Amputation ist Leo wieder voll am Start.  © Picture Point/Gabor Krieg

Von Thomas Gillmeister

Leipzig - Leo Baehr kämpft wie ein Löwe um den ganz normalen Alltag. Er kam mit einem verkürzten Bein auf die Welt. Eine Laune der Natur. Doch er hadert nicht mit seinem Schicksal. Er nimmt es an und macht das Beste draus.

Technisch unterstützt ihn dabei eine Prothese, für die er sich vor zwei Jahren bewusst entschied.

Es ist noch gar nicht so lange her, als Leo vor der bisher folgenschwersten Entscheidung seines Lebens stand: die Amputation seines rechtes Beines in Oberschenkelhöhe.

„Ich hatte dabei immer vor Augen, künftig mobiler zu sein“, begründet er, warum er gar nicht so lange überlegt hat. Sport ist ihm extrem wichtig. Schon zu Zeiten, als sein rechtes Bein noch steif und verkürzt war. Leo spielte Fußball, Volleyball und kämpfte sich erfolgreich bis zur Schwimm-Jugendnationalmannschaft.

Die Prothese ist mit neuester Technik ausgestattet, ahmt den natürlichen Gang nach.
Die Prothese ist mit neuester Technik ausgestattet, ahmt den natürlichen Gang nach.  © Picture Point/Gabor Krieg

Häufig an seiner Seite seit den Kindergartentagen: Kumpel Tim Moeller (18). Er schwamm sogar lange Zeit mit im Behindertensportverein. Aus Solidarität seinem Freund gegenüber, als Anfeuerer, als Mutmacher.

Zweimal versuchten Ärzte, das Bein von Leo in der Wachstumsphase Zentimeter für Zentimeter zu verlängern. Das eigentliche Problem konnte dabei aber nicht aus der Welt geschafft werden: die fehlende Kniescheibe.

Die erhoffte Beweglichkeit verspricht dagegen eine Beinprothese der neuesten Generation namens Genium X3.

Dank modernster Computer-, Sensor- und Regeltechnik reagiert die rund 50.000 Euro teure Prothese intelligent auf die verschiedensten Situationen im Alltag und kann den natürlichen Gang nachahmen. Leo: „Das war meine Chance, endlich richtig laufen zu lernen.“

Tim begleitet Leo seit Kindergartentagen.
Tim begleitet Leo seit Kindergartentagen.  © Picture Point/Gabor Krieg

16 lange Jahre musste der 1,85 Meter große Leipziger auf diesen ersehnten Augenblick warten.

Seine Eltern wollten ihm die Entscheidung selbst überlassen. Nach der Amputation bekam Leo in einer Orthopädischen Spezialklinik die wasserfeste Prothese maßgeschneidert angepasst.

„Als ich schon wenige Wochen später mit meinen Klassenkameraden in Tschechien ganz normal wandern konnte, wusste ich, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte“, meint Leo heute freudestrahlend.

Geht er in langen Hosen, fällt seine Behinderung überhaupt nicht mehr auf. „Aber ich verstecke mich auch nie“, bemerkt er. „Habe ich Lust auf kurze Hosen, trage ich sie einfach“, erzählt er selbstbewusst. Manchmal vergisst er sogar, nach fünf Tagen die Akkus für die Prothese neu aufzuladen, so sehr ist sie für ihn zur Selbstverständlichkeit geworden. Der Abiturient genießt die neue Beinfreiheit, trainiert beispielsweise zusammen mit Kumpel Tim regelmäßig im Fitnessstudio.

„Außerdem mache ich zurzeit meinen Führerschein“, verrät Leo. Gerade hat er in Leipzig ein BWL- und Managementstudium begonnen. Er ist im Leben neu angekommen und gibt weiter Gas.


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