Ein Stückchen Leipzig in Mali und Afghanistan

Sebastian Walther verschickt seit fünf Jahren Weihnachtspakete an Bundeswehrsoldaten im Auslandseinsatz.
Sebastian Walther verschickt seit fünf Jahren Weihnachtspakete an Bundeswehrsoldaten im Auslandseinsatz.

Leipzig - Einsamkeit und Heimweh sind ihre schlimmsten Feinde: Die Weihnachtszeit ist für deutsche Soldaten im Auslandseinsatz oft besonders hart. Fernab der Heimat gibt es im Feldlager zwar einen Tannenbaum, aber kaum Kontakt zur Familie. Eine Leipziger Initiative verschickt deshalb ein Stückchen Heimat.

Dieses weihnachtliche Symbol der Nächstenliebe erhalten die Soldaten im Auslandseinsatz in Form eines kleinen Päckchens.

Darin befinden sich ein paar schöne Dinge aus dem fernen Deutschland. In diesem Jahr haben es unter anderem eine Weihnachts-CD des Thomanerchors und eine Glühweintasse vom Leipziger Weihnachtsmarkt ins Paket geschafft.

Sebastian Walther (29) rief die Aktion vor fünf Jahren ins Leben. Er kümmert sich seitdem um den Inhalt für die Pakete und um den wichtigsten Teil der Aktion: Paten gewinnen.

Denn völlig anonym sollen die Präsente nicht in die Welt verschickt werden. Jeder der wollte, konnte am ersten Adventswochenende für einen kleinen Betrag eine Patenschaft für ein Paket übernehmen. Der edle Spender hatte dann die Möglichkeit, einen persönlichen Brief oder eine kleine Bastelei mit in das Päckchen zu legen.

"Es geht uns darum, dass sich die Paten gerade in dieser festlichen Vorweihnachtszeit ein wenig damit auseinandersetzen, wer sozusagen außerhalb unseres Landes diese Demokratie, diese Gesellschaft verteidigt und warum wir überhaupt hier in Sicherheit und Frieden Weihnachten feiern können", begründet Walther die Paket-Aktion.

Michael Schauer vom Freundeskreis der Bundeswehr Leipzig half, Paten für die 200 Geschenkpakete zu finden.
Michael Schauer vom Freundeskreis der Bundeswehr Leipzig half, Paten für die 200 Geschenkpakete zu finden.

In diesem Jahr verschickt der SPD-Stadtrat mit Unterstützung des Freundeskreises der Bundeswehr Leipzig 200 Weihnachtspakete.

Sie sollen den Soldaten in Mali und Afghanistan eine Freude machen. Wenn alles klappt, erhalten sie die Geschenke im Rahmen der dortigen Weihnachtsfeier an Heiligabend.

Oft erhalten die Paten in der Heimat nach der "Bescherung" im Ausland Post von den Beschenkten. "Wenn man sich im Einsatz befindet, fernab von Familie und Freunden und man kriegt dann ein Stück Heimat dorthin, dann berührt es einen, dass es vollkommen Fremde sind, die an einen denken. Und da reagiert man doch schon sehr schnell darauf", so Michael Schauer (41), selbst Soldat und Vorstandsmitglied des Freundeskreises der Bundeswehr Leipzig.

Dieser sehr persönliche Aspekt ist es, der die Paket-Aktion zu einem Gewinn für beide Seiten macht. Für Schauer ist es wichtig zu betonen, dass hinter den Einsätzen der Bundeswehr in erster Linie ganz normale Menschen stehen: "Ich wünsche mir, dass die Bevölkerung endlich erkennt, dass der Soldat nicht aus eigenen Stücken dorthin geht, sondern dorthin geschickt wird. Ich wünsche mir auch, dass man sich als Soldat nicht irgendwo verstecken muss. Ich habe öfter das Gefühl, dass man sich fast schon dafür schämen muss, Soldat zu sein."

Sebastian Walther und seine Unterstützer haben noch einen gemeinsamen Wunsch: Endlich mehr Resonanz aus dem Leipziger Rathaus für die Aktion. Immerhin geht es darum, Menschen im Ausland zu Weihnachten ein Stück Leipzig zu schenken.

Das Paket enthält kleine Dinge aus der Heimat, beispielsweise eine Weihnachts-CD, Tee und Spekulatius.
Das Paket enthält kleine Dinge aus der Heimat, beispielsweise eine Weihnachts-CD, Tee und Spekulatius.

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