"Stadt ist nicht nur zum Schlafen und Arbeiten da!" Rettungsplan für Leipziger Clubszene beschlossen

Leipzig - Die Leipziger Clubs seien genauso wichtig für die Kulturszene wie zum Beispiel die Oper. Deswegen wird nun gehandelt, hat der Stadtrat mehrstimmig beschlossen.

Das Schicksal des "So&So" soll weiteren Clubs in Leipzig erspart bleiben.
Das Schicksal des "So&So" soll weiteren Clubs in Leipzig erspart bleiben.  © Facebook/Screenshot So&So

Nach langem Hin und Her scheint man sich im Stadtrat Leipzig nun endlich einig zu sein, wie es weitergehen soll mit der Clubszene in der Messestadt.

Auf einen Antrag der SPD-Fraktion sollen Kreativräume und Musik- und Clubkultur zukünftig in die Stadtplanung integriert werden. "Durch die wachsende Bevölkerung wird die Stadt enger, es werden ständig neue Baugebiete erschlossen, aber dabei kulturellen Freiräume nicht berücksichtigt", fasst Christopher Zenker (SPD) die Problematik zusammen.

Das Clubsterben sei ein erstes Warnzeichen für Gentrifizierung, befürchtet Ute Elisabeth Gabelmann (Piratenpartei).

In Zukunft soll die Stadtverwaltung laut dem Antrag die derzeitig genutzten Standorte erfassen. Zusammen mit der IHK, der Leipziger Tourismus und Marketing GmbH und dem IG Livekombinat Leipzig sollen dann Handlungsempfehlungen entwickeln, wie die vorhandenen Clubs in der weiteren Städteplanung erhalten und weitere Räume kreativ gefüllt werden können.

Kleinkunst genauso wichtig wie Oper

Auch solle man gucken, wie andere Großstädte wie Berlin, Hamburg und Köln Belange wie den Lärmschutz behandeln. Ein Netzwerk, zum Beispiel in Form eines Beirats soll den Austausch in der Leipziger Kreativszene unterstützen.

Der Antrag stieß auf großen Zuspruch: Mit nur drei Stimmen dagegen und einer Enthaltung wurde der Vorschlag mehrheitlich beschlossen. Werner Kujat (Linke) möchte auch die "kleineren Fische" der Leipziger Kulturszene berücksichtigen: "Die Clubkultur gehört zur Leipziger Kultur wie die Oper oder das Gewandhaus", so Kujat. Vor allem die Kleinkunst sei es, die die Kulturszene am Leben halte.

Erst im Januar hatte sich der Techno-Schnuppen "So&So" mit einer mehrtägigen Party verabschiedet, bevor das Gelände rund um den alten Freiladebahnhof für Bauvorhaben geräumt wurde (TAG24 berichtete). Im Frühjahr 2018 schloss das 4Rooms im Osten von Leipzig für immer seine Tore. Auch das Peter K. auf der Eisenbahnstraße kämpft aktuell um seine Existenz. Die Petition „Freiräume erhalten – Clubkultur schützen“ unterschrieben bereits 4600 Menschen, was der Stadtrat am Mittwoch billigte.

So kommt zumindest ein kleiner Funke Hoffnung auf, dass dem Clubsterben in Leipzig bald entgegengewirkt werden kann.

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