Kältebus soll Not von Obdachlosen lindern, doch Stadt will auf die Bremse treten

In anderen Städten gibt es bereits einen Kältebus, wie hier in München, der Obdachlose mit dem Nötigsten versorgt.
In anderen Städten gibt es bereits einen Kältebus, wie hier in München, der Obdachlose mit dem Nötigsten versorgt.  © DPA

Leipzig - Die neue Kältewelle macht es einmal mehr deutlich: Wer kein festes Dach über dem Kopf hat, ist dem Wetter schutzlos ausgeliefert. Die Leipziger Linksfraktion will deshalb einen sogenannten Kältebus einrichten, um die Not zu lindern (TAG24 berichtete). Die Stadt will aber erst einmal den Bedarf prüfen.

Den Antrag der Linken lehnt die Stadt in ihrem Verwaltungsstandpunkt zwar nicht ab. Trotzdem sieht sie die Idee mit gemischten Gefühlen und will Notwendigkeit sowie Finanzierung eines Kältebus-Projekts bis Ende des Jahres prüfen.

Allerdings hat die Stadt schon jetzt Bedenken, dass eine Versorgung von wohnungslosen Menschen mit heißen Getränken, Nahrungsmitteln oder Kleidung "eher zu einer Stabilisierung am gegenwärtigen Aufenthaltsort führt und sie nicht zur Nutzung des bestehenden Hilfesystems bewegen wird".

Es gibt in Leipzig bereits eine ganze Reihe von Einrichtungen, die obdachlosen Menschen weiterhelfen. "Durch die vorhandenen Übernachtungsangebote für Wohnungslose kann der Bedarf bislang vollumfänglich abgedeckt werden. Keine obdachlose Person musste abgewiesen werden", betont die Stadt.

So wurden im Herbst zusätzliche einfach ausgestattete Schlafplätze als Kälteschutz im Übernachtungshaus für Männer eingerichtet. Tagsüber stehen Obdachlosen zwei Tagestreffs und der TeeKeller Quelle, den die Stadt fördert, offen.

Darüber hinaus gehe das Sozialamt Hinweisen aus der Bevölkerung zu Personen nach, die in Abrisshäusern oder anderen ungesicherten Unterkünften übernachteten, so die Stadt. Streetworker seien in Leipzig unterwegs, um wohnungslose Menschen zu erreichen, die weder Übernachtungshäuser noch Tagestreffs besuchten.

Trotzdem erreicht die Stadt damit nicht alle Notleidenden. "Die sozialen Hilfeangebote der Träger und der Stadt Leipzig werden von einigen wohnungslosen Menschen nicht in Anspruch genommen. Diese Personen verlassen trotz Kenntnis der Unterstützungsmöglichkeiten ihre unsicheren Aufenthaltsorte nicht", heißt es im Standpunkt der Verwaltung zum Antrag der Linken.

Titelfoto: DPA


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0