Tragisches Unglück in Leipzig: Kleiner Roma-Junge stirbt nach Gottesdienst

Leipzig - Was für ein tragisches Unglück: In Leipzig ist ein sechsjähriger Junge nach dem Besuch eines Gottesdienstes von einem Auto überfahren worden. Verwandte, die Zeugen des Unglücks wurden, brachten den Jungen in Panik selbst in eine nahe Klinik - die aber nicht für solche Notfälle ausgerüstet ist. Der Junge starb kurz darauf.

Hier, vor dem Gemeindezentrum der Evangeliums-Christen, geschah der tragische Unfall.
Hier, vor dem Gemeindezentrum der Evangeliums-Christen, geschah der tragische Unfall.  © Alexander Bischoff

Seit Wochen schon campiert die große Roma-Familie auf dem Parkplatz des einstigen Praktiker-Baumarktes im Leipziger Westen (TAG24 berichtete). Ihre Mitglieder kommen aus Frankreich, Skandinavien, Holland und Belgien. "Wir machen in Leipzig Station, weil unsere 60 Jahre alte Mutter schwer erkrankt ist und hier in einem Krankenhaus Chemotherapie bekommt", erzählt Josef Mojs (41), Oberhaupt des französischen Teils der Großfamilie.

Am Sonntagnachmittag sei man im Gemeindezentrum der Evangeliums-Christen an der Plautstraße gewesen, um gemeinsam zu beten. Den Gottesdienst habe ein französischer Pfarrer gehalten, erzählt Mojs. Unmittelbar danach kam es zur Katastrophe. Mojs' sechsjähriger Neffe, den alle in der Familie nur Bugatti nannten, ging plötzlich auf die Straße.

Ein Rentner (73) im Ford erfasste den Jungen. Bugatti wurde auf den Asphalt geschleudert und erlitt dabei schwerste Kopfverletzungen. "Das Kind war noch auf dem Radweg, da darf doch kein Auto fahren", sagt Mojs verbittert. Die Polizei erklärte am Montag hingegen, dass der Junge aus einer Menschenmenge von 30 bis 40 Personen von rechts nach links über die Straße rannte.

Klinik kann den kleinen Bugatti nicht mehr retten

Auf dem Parkplatz des ehemaligen Praktiker-Baumarktes hat die Roma-Großfamilie ihr Lager aufgeschlagen und muss nun schon den zweiten Schicksalsschlag verkraften.
Auf dem Parkplatz des ehemaligen Praktiker-Baumarktes hat die Roma-Großfamilie ihr Lager aufgeschlagen und muss nun schon den zweiten Schicksalsschlag verkraften.  © Alexander Bischoff

Zwar wurde sofort die Rettung alarmiert. Doch die völlig aufgelöste Familie wollte nicht warten, nahm das bewusstlose Kind und fuhr es im eigenen Auto in die Klinik, wo schon die Großmutter lag.

Offenbar war das auf Lungenkrankheiten spezialisierte Robert-Koch-Klinikum das einzige Spital, das die Roma in Leipzig kannten. Für die Notaufnahme von lebensgefährlich verletzten Unfallopfern ist die Klinik jedoch nicht ausgerüstet. Obwohl sich die Ärzte mühten, konnten sie nichts mehr für den Kleinen tun. Er starb kurz nach der Einlieferung.

Bugatti soll im französischen Lille bestattet werden. Doch vorher wird es in Leipzig eine große Trauerfeier geben. "Es werden 500 bis 1000 Roma aus ganz Europa kommen", sagt Mojs und hofft, dass die Stadt sein fahrendes Volk auf dem Großparkplatz gewähren lässt.

Josef Mojs (41) ist das Oberhaupt des französischen Teils der Roma-Großfamilie. Nach seiner Auskunft werden bis zu 1000 Roma zur Trauerfeier erwartet.
Josef Mojs (41) ist das Oberhaupt des französischen Teils der Roma-Großfamilie. Nach seiner Auskunft werden bis zu 1000 Roma zur Trauerfeier erwartet.  © Alexander Bischoff

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