Geht's noch? Mann muss blechen, weil sein E-Auto keine Umwelt-Plakette hat

Hagen Kunze bekam ein Knöllchen, weil sein Elektro-Auto keine Umwelt-Plakette hatte.
Hagen Kunze bekam ein Knöllchen, weil sein Elektro-Auto keine Umwelt-Plakette hatte.

Leipzig - Typisch Deutschland! Weil er keine Umwelt-Plakette an seinem Elektro-Auto hatte, musste ein Mann jetzt ein Bußgeld zahlen.

Hagen Kunze parkte vor einigen Wochen seinen Renault Zoe in der Nähe der Leipziger Oper. Es ist kein stinknormales, nein, es ist ein Elektro-Auto. So ganz ohne Abgase, vollkommen emissionsfrei.

Als er nach dem Besuch der Oper zu einem geruchs- und fast geräuschlosen Fahrzeug zurückkehrte, staunte er nicht schlecht: Ein Knöllchen klemmte am Scheibenwischer.

Doch Kunze hatte weder falsch geparkt, noch den Parkschein vergessen. Vielmehr ist die fehlende Umweltplakette der Grund für das Knöllchen. Dieses Vergehen kann mit einem Bußgeld bis zu 80 Euro bestraft werden.

Aber halt! Benötigt ein E-Auto überhaupt eine Umweltplakette? Ja, sagt die Stadt Leipzig. "Als ich das Auto zugelassen habe, bekam ich sogar die Aussage, ich bräuchte keine grüne Plakette", sagte Hagen Kunze im ZDF-Länderspiegel.

Seinen Renault Zoe parkte der Umweltfreund an der Leipziger Oper. Als er zurückkam, traute er seinen Augen nicht.
Seinen Renault Zoe parkte der Umweltfreund an der Leipziger Oper. Als er zurückkam, traute er seinen Augen nicht.

Die Sachbearbeiterin auf der Zulassungsstelle seines Landkreises in Mittelsachsen meinte sogar: "Wer, wenn denn nicht ein Elektro-Auto, soll denn sonst befreit sein?" Der Umweltliebhaber war sich spätestens da sicher: Ich brauche keine Umweltplakette. Weit gefehlt!

Hagen Kunze bekam Post aus dem Rathaus, immerhin nicht die Höchststrafe wurde ihm aufgebrummt. "Nur" 25 Euro Verwarnungsgeld musste der emissionsfreie Autofahrer blechen. Kuriosum: Oldtimer oder Traktoren benötigen keine Umweltplakette!

Die Stadt Leipzig pochte auf das Gesetz und ließ verlauten: "Eine für den Bürger gegebenenfalls besser nachvollziehbare grundsätzliche Lösung kann nur vom Gesetzgeber geschaffen werden." Man habe "ihren diesbezüglichen Handlungsspielraum im vorliegenden Einzelfall in korrekter Ermessensausübung genutzt", heißt es weiter.

Hagen Kunze ist dennoch stolz auf seinen abgasfreien Renault. "Ich fühle mich richtig gut, mit meinem E-Auto in die Stadt Leipzig zu fahren und nicht mit einem stinkenden Diesel", sagte er.

Die Reaktion auf das Knöllchen stieß bei den Passanten in Leipzig auf wenig Verständnis. "Ich lach da einfach herzhaft drüber. Das ist die Bürokratie, für die wir Deutschen so berühmt sind", sagte eine Frau. "Wenn ich was für die Umwelt tue, muss ich nicht noch Strafe zahlen, oder?" fragte eine andere.

Doch die Stadt Leipzig sieht sich im Recht. Angesichts der Gesetzlage ist sie dies auch. Dass die Regelung Blödsinn ist, hat man in Berlin aber erkannt und will bald eine Änderung auf den Weg bringen.

Kurz nach dem Zwischenfall hat sich Hagen Kunze übrigens eine grüne Umwelt-Plakette zugelegt.


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