Diese süße Maus wog bei ihrer Geburt nur 500 Gramm

Leipzig - Als Sonja Trümper auf die Welt kam, hat wahrscheinlich niemand geglaubt, dass sie überleben würde. Jetzt feierte das kleine Mädchen aus Leipzig seinen ersten Geburtstag.

Kinderchirurg Prof. Martin Lacher, Geburtsmediziner Prof. Holger Stepan und Neonatologe Prof. Holger Thome (v.r.n.l.) freuen sich mit den Eltern Annika und Simon Trümper, dass Sonja gesund ist und ein normales Leben führen können wird.
Kinderchirurg Prof. Martin Lacher, Geburtsmediziner Prof. Holger Stepan und Neonatologe Prof. Holger Thome (v.r.n.l.) freuen sich mit den Eltern Annika und Simon Trümper, dass Sonja gesund ist und ein normales Leben führen können wird.  © Stefan Straube / UKL

Als Sonja im März 2017 geboren wurde, war ihre Mama Annika erst im sechsten Monat schwanger. Doch es half alles nichts: Sonja wollte nicht länger im Bauch bleiben und kam in der 25. Schwangerschaftswoche zur Welt.

Nicht nur das Fliegengewicht von 510 Gramm besorgte die Eltern und Ärzte. Sonja litt auch unter der angeborenen Krankheit Ösophagusatresie. Das bedeutet, dass die Speiseröhre Mund und Magen nicht miteinander verbindet, da sie nicht durchgängig ist.

Doch die tapfere Kämpferin hatte Glück im Unglück. Denn im Leipziger Uniklinikum, wo sie geboren wurde, gibt es ein spezielles Zentrum für Kinder mit dieser Erkrankung. Von jährlich etwa 15 neuen Ösophagusatresie-Fällen in Sachsen wurden allein im vergangenen Jahr neun in der Speisenröhrenchirurgie am UKL behandelt.

Klinikdirektor Professor Martin Lacher entschied sich trotz der geringen Chancen des 500-Gramm-Babys dafür, die kleine Maus zu operieren. An ihrem zweiten Tag auf Erden wurde die Fistel durch einen Clip unterbunden. "Diese gefährliche Verbindung zwischen Speise- und Luftröhre muss in den ersten Lebenstagen schnell gekappt werden", erläutert der Kinderchirurg, "der Eingriff ist schon bei reifen Kindern anspruchsvoll."

Nach drei Wochen auf der Neugeborenen-Intensivstation erhielt Sonja mittels einer künstlich gelegten Fistel einen direkten Zugang von außen in den Magen. Auf diese Art wurde sie ein paar Monate lang ernährt.

Im Juni wog Sonja dann schon 2500 Gramm, sodass die dritte Operation durchgeführt werden konnte. Danach wurde die Ernährungsfistel entfernt. Und dann geschah das Wunder: Das winzige Baby konnte normal atmen, essen und schlucken. Für Sonjas Eltern Annika und Simon Trümper nach eigenen Aussagen "ein kleines Wunder."

Denn allein auf der Intensivstation lag das Baby 111 Tage lang. "Sie gehörte schon zum Inventar", kann ihre Mutter heute lachend erzählen. "Damals haben wir uns gewünscht, dass mal eine Zeit käme, in der wir auf all das zurückblicken könnten, weil alles gut gegangen wäre. Und dieser Moment war kürzlich zu Sonjas erstem Geburtstag da gewesen."