Trotz Manipulation: Kein Prozess gegen Transplantations-Ärzte

Leipzig - Im Organspendeskandal am Leipziger Universitätsklinikum (UKL) hat es das Landgericht Leipzig abgelehnt, gegen die angeklagten Ärzte zu prozessieren. Die Staatsanwaltschaft versucht nun, am Oberlandesgericht (OLG) die Hauptverhandlung zu erzwingen.

Das Leipziger Landgericht lehnte den Prozess wegen des 31-fachen versuchten Totschlags gegen die Oberärzte Dr. Armin T. (44, l.) und Dr. Christoph B. (48) ab.
Das Leipziger Landgericht lehnte den Prozess wegen des 31-fachen versuchten Totschlags gegen die Oberärzte Dr. Armin T. (44, l.) und Dr. Christoph B. (48) ab.

Schon im Juli 2015 hatte die Leipziger Staatsanwaltschaft die damals am UKL für Lebertransplantationen zuständigen Oberärzte Dr. Christoph B. (48) und Dr. Armin T. (44) wegen 31-fachen versuchten Totschlags angeklagt. Der schwere Vorwurf: In den Jahren 2010 und 2011 sollen sie in 31 Fällen Transplantations-Akten manipuliert haben, um schneller an Spendenorgane für ihre Patienten zu kommen!

Und so wurde laut Anklage getrickst: Gegenüber Eurotransplant gaben die Ärzte an, dass ihre Leber-Patienten Blutwäschen (Dialyse) bekommen hätten, obwohl dies nicht stimmte. Da bei Dialyse-Patienten auch die Nieren gefährdet sind, steigen sie auf der Warteliste für ein Spenderorgan als "besonders gefährdet" ganz nach oben.

Da andere, tatsächlich kränkere Patienten dadurch länger auf eine Leber warten mussten, mithin länger in Todesgefahr schwebten, geht die Staatsanwaltschaft von einem versuchten Tötungsdelikt aus.

Göttinger Ärzte in ähnlichem Fall freigesprochen

Den beiden Transplantations-Ärzten wird vorgeworfen, Akten manipuliert zu haben, um schneller an Spendenorgane zu gelangen. (Symbolbild)
Den beiden Transplantations-Ärzten wird vorgeworfen, Akten manipuliert zu haben, um schneller an Spendenorgane zu gelangen. (Symbolbild)  © dpa / Your Photo Today

Nicht so das Leipziger Landgericht, das nach zweieinhalbjähriger (!) Prüfung jetzt die Eröffnung der Hauptverhandlung gegen die Ärzte ablehnte.

"Nach der aktuellen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Angeklagten verurteilt werden können", begründete ein Gerichtssprecher die Entscheidung.

Hintergrund: In einem ähnlichen Transplantationsskandal an der Uniklinik Göttingen waren die angeklagten Ärzte vom Vorwurf des versuchten Totschlags freigesprochen worden. Der BGH bestätigte den Freispruch mit der Begründung, dass die Mediziner zwar manipuliert, aber nicht mit Tötungs- oder Körperverletzungsvorsatz gehandelt hätten.

Die Staatsanwaltschaft beharrt jedoch auf einen Prozess gegen die UKL-Mediziner. Sie hat am OLG Beschwerde gegen den Nichteröffungsbeschluss eingelegt, wie ein Gerichtssprecher auf Anfrage bestätigte.


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