Kinderärzte warnen: Smartphones rauben unseren Kindern Schlaf und Gesundheit

Leipzig - Unsere Kinder verbringen immer mehr Zeit vor Bildschirmen, schauen stundenlang in Smartphones und Tablets. Mit teils gravierenden Folgen für ihre gesundheitliche Entwicklung, wie eine Studie am Leipziger Universitätsklinikum (UKL) jetzt belegt.

Professor Wieland Kiess ist der Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Leipzig.
Professor Wieland Kiess ist der Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Leipzig.  © Stefan Straube/UKL

Seit sieben Jahren untersuchen Leipziger Mediziner in der "LIFE Child"- Studie die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen. Und ihre Erkenntnisse sind alarmierend: "Wenn Kinder schon sehr früh mit Smartphones, Tablets oder anderen Bildschirmen für mehrere Stunden allein gelassen werden, zeigen sich später Lernschwierigkeiten und vor allem schlechtere Ergebnisse in Mathematik", warnt Professor Wieland Kiess, Chef der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin.

Was Kiess Sorge bereitet: "Wir sehen in den vergangenen Jahren einen beachtlichen Anstieg sowohl der Medienzeit als auch der Geräteanzahl." So hätten bereits 25 Prozent der Achtjährigen ein Smartphone, insgesamt verfügen die Grundschüler über 1,2 Geräte pro Kind. Bei den 14-Jährigen sind es bereits drei bis vier unterschiedliche Geräte, wobei alle (!) ein Smartphone haben.

"Wenn wir zudem nach der Nutzungsdauer fragen, kommen wir bei den 14-Jährigen auf fünf Stunden Bildschirmzeit pro Tag, wobei die Jugendlichen auch angeben, nur 30 Minuten täglich mit dem Handy offline zu sein", berichtet Kiess. Folgen: Die Kinder schlafen später ein, schlechter durch und sind unausgeschlafener. Das wiederum beeinflusse Gehirn und Körper, von der Aufmerksamkeitsspanne bis hin zur Entwicklung des Gewichts, so Kiess. Studien belegen etwa einen Zusammenhang zwischen kurzer Schlafdauer und Übergewicht.

Am 2. März veranstaltet das UKL in Leipzig einen großen Kongress zu den Auswirkungen elektronischer Medien auf die Kindergesundheit. Rund 150 Mediziner aus ganz Deutschland kommen. Dabei gehe es nicht darum, die Entwicklungen in einer sich wandelnden Umwelt umkehren zu wollen, erklärt Professor Kiess.

Man wolle aber beraten, welche Leitplanken nötig seien, um die Gesundheit der Kinder zu erhalten.

Smartphones üben schon auf Kleinkinder eine schier magische Anziehung aus. Doch je früher die Handy-Spielerei beginnt, desto größer ist das Risiko gesundheitlicher Schäden.
Smartphones üben schon auf Kleinkinder eine schier magische Anziehung aus. Doch je früher die Handy-Spielerei beginnt, desto größer ist das Risiko gesundheitlicher Schäden.  © 123RF

Titelfoto: 123RF

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