Wie lange war Unister schon pleite? Insolvenzverwalter prüft Verdacht

Lucas Flöther (links), Insolvenzverwalter von Unister, prüft derzeit, ob das Unternehmen lange vor dem großen Crash im vergangenen Jahr pleite war.
Lucas Flöther (links), Insolvenzverwalter von Unister, prüft derzeit, ob das Unternehmen lange vor dem großen Crash im vergangenen Jahr pleite war.  © DPA

Leipzig - War der Leipziger Internet-Konzert Unister schon lange vor dem großen Crash vor einem Jahr pleite? Diesem Verdacht geht der Insolvenzverwalter des Unternehmens, Lucas Flöther (43), derzeit nach.

Laut Flöther gebe es Anhaltspunkte dafür, dass Unister schon länger zahlungsunfähig gewesen sei. Derzeit sammle wer dafür gerichtsfeste Beweise. Sobald diese vorlägen, werde es erste Anfechtungen gegenüber Zahlungsempfängern geben, so Flöther.

"Wenn ein Gläubiger zu einem Zeitpunkt Zahlungen bekommen hat, wo das Unternehmen eigentlich schon insolvenzreif war, muss er diese an die Masse zurückzahlen, damit alle gleichmäßig davon partizipieren können", erklärte der Insolvenzverwalter von Unister.

Demnach bestehen dabei grundsätzlich Ansprüche gegen den Geschäftsführer oder dessen Erben, in diesem Fall die Erben des verstorbenen Unister-Chefs Thomas Wagner (†38). Diese hätten den Nachlass nicht ausgeschlagen. Ob die Ansprüche mit Erfolg geltend gemacht werden könnten, sei eine spannende Frage. Der Nachlass könne auch überschuldet sein. Es sei noch zu früh, um das zu sagen, so Flöther.

Zum aktuellen Stand des Unister-Verkaufs erklärte der 43-Jährige, dass man in weniger als einem Jahr gut vorangekommen sei. Die gesamte Reisesparte, zu der die Portale fluege.de und ab-in-den-urlaub.de gehörten, ging an einen tschechischen Investor (TAG24 berichtete). Außerdem wechselten weitere Unister-Portale wie news.de und kredit.de den Besitzer.

Man habe nur noch eine Handvoll offener Portale und Domains, verriet Flöther. Bis spätestens Ende des Jahres könnten diese ebenfalls verkauft sein. Das Insolvenzverfahren wird sich nach Einschätzung von Flöther aber noch einige Jahre hinziehen.


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