Nach der Wahl: Wird Leipzigs SPD-OB Jung zum "Scheinriesen" ohne Macht?

Leipzig - Mit hauchdünnem Vorsprung ist Burkhard Jung (61, SPD) am Sonntag als Leipziger Oberbürgermeister wiedergewählt worden (TAG24 berichtete). Doch seine dritte Amtszeit wird alles andere als leicht. Die Stadtgesellschaft ist tief gespalten und zum Regieren fehlt dem Mann im Rathaus schlicht die Macht.

Die Nummer 1: Weitere sieben Jahre darf Burkhard Jung (61, SPD) dank der Schützenhilfe von Linken und Grünen die Leipziger Amtskette tragen. Doch seine Macht ist in der dritten Wahlperiode arg beschränkt.
Die Nummer 1: Weitere sieben Jahre darf Burkhard Jung (61, SPD) dank der Schützenhilfe von Linken und Grünen die Leipziger Amtskette tragen. Doch seine Macht ist in der dritten Wahlperiode arg beschränkt.  © Jan Woitas/dpa/Christian Grube

Die Ortsteil-Grafik des Wahlamtes zeigt es deutlich: Rein flächenmäßig hätte CDU-Bewerber Sebastian Gemkow (41) die OB-Wahl haushoch gewonnen. Bis auf die inneren Stadtteile hat Leipzig mehrheitlich "schwarz“ gewählt. Selbst einstige rote Hochburgen im Plattenbaugebiet Grünau stimmten für Gemkow.

Doch die Mehrheit der Leipziger wohnt in den dicht besiedelten Stadtteilen rund um die Innenstadt und im "hippen“ Süden.

Es sind die Viertel der Studenten, der jungen Job-Zuzügler und Kreativen, die dem Amtsinhaber Zustimmungswerte von teilweise über 70 Prozent bescherten und ihm so den Job retteten.

Es sei ein "klassisches Stadt-Land-Gefälle, komprimiert in einer 600. 000-Einwohner-Stadt“, bewertet Politikwissenschaftler Hendrik Träger von der Universität Leipzig das Wahl-Ergebnis. Der Spalt klafft mithin auch zwischen Jung und Alt.

Der vom Lagerwahlkampf noch vertiefte Riss bereitet auch dem Sieger Sorge. "Zur Wahrheit gehört, wir haben in der Tat eine gespaltene Stadt“, sagte Jung noch am Wahlabend. Und forderte seine Anhänger auf: "Lasst uns auf alle zugehen, ich möchte der OB für alle Leipzigerinnen und Leipziger sein.“

Analyse zur Leipziger OB-Wahl: Im Stadtrat schrumpfte die SPD zur zweitkleinsten Fraktion

Der Leipziger OB-Wahlatlas: CDU-schwarz dominiert, aber die einwohnerstarken Stadtteile in Mitte und Süd sind SPD-rot.
Der Leipziger OB-Wahlatlas: CDU-schwarz dominiert, aber die einwohnerstarken Stadtteile in Mitte und Süd sind SPD-rot.  © Stadt Leipzig

Doch allzu viele Gestaltungsmöglichkeiten wird der Stadtchef in seiner dritten Amtszeit nicht haben.

Im Rat schrumpfte seine SPD nach der Kommunalwahl 2019 zur zweitkleinsten von sechs Fraktionen (9 Sitze). Linke (17) und Grüne (16) dominieren das Parlament. Mit dem Rückzug ihrer Kandidatinnen und der Wahlempfehlung für Jung hievten sie den SPD-Mann gerade so vor Gemkow über die Ziellinie.

Zwar gilt Leipzig noch immer als SPD-Trutzburg in Sachsen, doch die Partei ist auch hier nur noch ein "Scheinriese“. "Diese Wahl hat gezeigt, dass es die SPD in ihrer vermeintlichen Hochburg aus eigener Kraft nicht schafft“, so Politikwissenschaftler Träger.

Die Fäden Leipziger Politik liegen in den Händen von Linken und Grünen, die Jung ihre Forderungen bereits aufmachten. Dazu gehören ein 365-Euro-Ticket für den öffentlichen Nahverkehr und freie Fahrt für alle unter 18.

Ob auch Rathaus-Posten Teil des rot-rot-grünen OB-Wahl-Deals waren, wird sich im Sommer zeigen, wenn vier der sieben Dezernenten-Posten vakant werden.

Mehr zum Thema Leipzig Politik:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0