Wahlkrimi! OB Burkhard Jung verteidigt "rote Hochburg" Leipzig

Leipzig - Sachsens rote Hochburg hat gewackelt, aber sie ist nicht gefallen. Auch in den kommenden sieben Jahren kann Leipzigs SPD-Oberbürgermeister Burkhard Jung (61) weiter regieren (TAG24 berichtete). In einem Herzschlagfinale setzte sich der Amtsinhaber mit hauchdünner Mehrheit von 1,5 Prozent gegen CDU-Herausforderer Sebastian Gemkow (41) durch.

Die Blumen in der einen, Frau Ayleena (40) in der anderen Hand - so feierte Leipzigs alter und neuer OB Burkhard Jung (61, SPD) seinen knappen Wahlsieg.
Die Blumen in der einen, Frau Ayleena (40) in der anderen Hand - so feierte Leipzigs alter und neuer OB Burkhard Jung (61, SPD) seinen knappen Wahlsieg.  © Hendrik Schmidt/dpa

In letzter Sekunde konnte Jung das Ruder noch einmal herumreißen und die seit 30 Jahren unter SPD-Regentschaft stehende Messestadt gegen die Christdemokraten verteidigen.

Mit Schützenhilfe der Linken und der Grünen, die ihre Kandidatinnen nach der ersten Wahlrunde zurückzogen und ihrer Klientel hernach klare Wahlempfehlungen für Jung gaben, kam er auf 49,1 Prozent. Für Gemkow kreuzten 47,6 Prozent.

Am Ende entschieden gerade einmal 3 358 Stimmen das Duell der beiden Männer, das zuletzt in einem Lagerwahlkampf mündete. Einen Monat zuvor waren es 4 141 Stimmen (1,8 Prozent), die Gemkow im ersten Wahlgang überraschend vor Jung gelegen hatte (TAG24 berichtete). Piraten-Kandidatin Ute Elisabeth Gabelmann (38) spielte mit 3,3 Prozentpunkten erwartungsgemäß keine Rolle.

Der Stein, der Jung am Abend vom Herzen fiel, war laut hörbar.

"Wir haben gezeigt, die SPD - wir können gewinnen“, schrie er förmlich und reckte seinen jubelnden Anhängern im Rathaus die Siegerfaust entgegen. Kurz darauf aber auch versöhnliche Töne in Richtung Gemkow: "Ich zolle auch Respekt dem Wissenschaftsminister, den wir als Leipziger Wissenschaftsminister gut brauchen können in Dresden.“

OB-Wahl in Leipzig: AfD kündigt Widerspruch an

CDU-Herausforderer Sebastian Gemkow (41) sah man die Enttäuschung an.
CDU-Herausforderer Sebastian Gemkow (41) sah man die Enttäuschung an.  © Christian Grube

Was von seiner nunmehr dritten Amtszeit zu erwarten ist, formulierte Jung so: "Wir wollen uns nicht ausruhen. Wir wollen kämpfen für eine sozial gerechte Stadt, für einen öffentlichen Nahverkehr mit einem 365-Euro-Ticket. Wir werden für Sozialwohnungen eintreten. Wir werden für Klimaschutz aktiv die Energiewende und die Verkehrswende gestalten.“

Herausforderer Gemkow machte trotz des für Leipziger CDU-Verhältnisse herausragenden Ergebnises aus seiner Enttäuschung keinen Hehl.

"Ich bin ein Stück enttäuscht, aber dankbar für die große Unterstützung, die es von so vielen Seiten gegeben hat“, erklärte er. "Ich mache meinen Job nun weiter wie bisher.“ Dem wiedergewählten Amtsinhaber wünsche er alles Gute für seine Arbeit. "Ich wünsche ihm vor allem, dass es ihm gelingt, die Stadt wieder ein Stück weit zusammenzubringen“, sagte Gemkow mit Blick auf die durch den Lagerwahlkampf gespaltene Stadtgesellschaft.

Und wann kann der alte Neue nun in die nächsten sieben Dienstjahre starten? "Die Amtszeit des OB beginnt erst, wenn alle möglichen Widersprüche gegen die Wahl ausgeräumt sind“, erklärte Michael Naber, Vize-Vorsitzender des Gemeindewahlausschusses. Die AfD hatte im Vorfeld bereits angekündigt, Widerspruch einlegen zu wollen. Grund: Kurz vor dem ersten Wahlgang hingen in mehreren Leipziger Schulen plötzlich Wahlwerbeplakate von Burkhard Jung. Über die Widersprüche entscheidet die Landesdirektion als Rechtsaufsicht.

Die Wahlbeteiligung lag mit 48,4 Prozent etwas niedriger als beim ersten Wahlgang (49,1).

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