"Wir stehen vor einem Scherbenhaufen": Bürger wollen Jahnallee nicht "aufgeben"

Leipzig - Seit fast zwei Monaten gilt das Kurzzeit-Parkverbot auf der inneren Jahnallee im Waldstraßenviertel. Ziel der Maßnahmen war es, die zum Teil gefährliche Verkehrssituation im Viertel zu entschärfen. Doch für die Anwohner hat sich die Lage eher zum Negativen verändert.

Seit März gilt auf der inneren Jahnallee Tempo 30 und das Kurzzeit-Parkverbot.
Seit März gilt auf der inneren Jahnallee Tempo 30 und das Kurzzeit-Parkverbot.

"Wir stehen vor einem echten Scherbenhaufen. Seit der Umsetzung der Maßnahmen hat sich die Situation weiter verschlechtert", heißt es in einer Mitteilung des Bürgervereins Waldstraßenviertel e. V. So würden viele Autofahrer das Parkverbot schlichtweg ignorieren, schildert der Vereinsvorsitzende Jörg Wildermuth. Auch Raser ließen sich durch die neue Tempo-30-Regelung nicht unbedingt einschränken.

Der Bürgerverein hat deswegen einen ganz eigenen Lösungsvorschlag entwickelt. Demnach soll in stadteinwärtiger Richtung eine Radspur geschaffen werden, in die andere Richtung sollten die Radler dafür auf die Gustav-Adolf-Straße ausweichen. Stadtauswärts schlägt der Verein Kurzzeitparkplätze in Form vorn Parkbuchten vor. Auf dieser Seite wünschen sollen gleichzeitig Bäume der Jahnallee "ein freundlicheres Gesicht" verleihen.

Die Tempo-30-Vorschrift wollen die Bürger bis auf Naundörfchen ausweiten. Mehr Sicherheit für Fußgänger soll über zusätzliche Ampeln und Überwege geschaffen werden.

Immer wieder kam es auf der Straße in der Vergangenheit zu schweren Unfällen, bei denen Fußgänger und Radfahrer verletzt wurden. Im Februar verstarb ein 16-Jähriger, nachdem er auf der Jahnallee/Leibnizstraße von einem Mercedes erfasst wurde (TAG24 berichtete). Auch wegen derartiger Vorfälle hatte die Stadt beschlossen, die neuen Maßnahmen umzusetzen.

Hier besteht Redebedarf

Initiativen setzen sich seit Monaten für die Schaffung einer Radspur in der Jahnallee ein. Hier zu sehen eine Aktion der Grünen im April.
Initiativen setzen sich seit Monaten für die Schaffung einer Radspur in der Jahnallee ein. Hier zu sehen eine Aktion der Grünen im April.  © Nico Zeißler

Bei Gastronomen, Fahrradfahrern und Bewohnern des Viertels kamen die Maßnahmen allerdings nicht gut an.

Das Wichtigste aber sei dem Verein die Transparenz. Die Bürger wollen aktiv in die Gestaltung ihres Viertels mit einbezogen werden.

Man wolle aktiv verhindern, dass sich neue "Schleichwege" bilden, so Wildermuth. "Es geht um mehr Sicherheit für Kinder, Fußgänger und Radfahrer und um weniger Lärm- und Feinstaubbelastung. Unser Ansatz erhöht die Lebensqualität im Waldstraßenviertel insgesamt."

Die Stadtverwaltung bietet deshalb Bürgersprechstunden an, bei denen Anwohner und Verantwortliche sich austauschen und Veränderungsvorschläge diskutieren können. Für den Verein ist dies ein Schritt in die richtige Richtung. Bis das Kapitel Jahnallee abgeschlossen ist, wird es wohl aber noch eine Weile dauern.

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