"Schlag ins Gesicht": Heftige Kritik an Gysi-Auftritt zum Wende-Jubiläum in Leipzig

Leipzig - Gegen einen geplanten Auftritt des Linken-Politikers Gregor Gysi zum 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution in der DDR am 9. Oktober in Leipzig regt sich massiver Widerstand.

Wurde von der Leipziger Philharmonie anlässlich des 30. Jahrestages der Friedlichen Revolution eingeladen: Linken-Politiker Gregor Gysi.
Wurde von der Leipziger Philharmonie anlässlich des 30. Jahrestages der Friedlichen Revolution eingeladen: Linken-Politiker Gregor Gysi.  © Henning Kaiser/dpa

Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Samstag): "Ich halte die Auswahl von Gregor Gysi als Festredner am Jahrestag der großen Leipziger Demonstration vom 9. Oktober für völlig unangemessen."

"An diesem Tag haben 1989 Zehntausende Menschen Mut gefasst und ihre Stimme für Veränderungen erhoben. Dass nun ein Politiker reden soll, der 1989 und 1990 alles daran setzte, dass sich das alte System halten kann, ist ein Schlag ins Gesicht der Mutigen", kritisierte der CDU-Politiker. Dieser Jahrestag müsse "den Menschen gehören, die die Friedliche Revolution initiiert haben, nicht denen, die sie verhindern wollten."

In einem am Freitag veröffentlichten Offenen Brief hatten sich mehr als 420 Bürgerinnen und Bürger, darunter Ex-Bürgerrechtler, ebenfalls gegen einen Auftritt von Gysi gewandt.

Die Stadt Leipzig betonte, dass Gysi "nicht Festredner der Stadt Leipzig zum 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution" sei. "Zum Festakt von Stadt+Freistaat spricht der Bundespräsident. Bei dem seit Jahren stattfindenden Gedenkkonzert der Philharmonie handelt es sich nicht um eine städtische Veranstaltung! Weder die Stadt noch OBM Jung haben Herr Gysi als Festredner eingeladen!" Die Philharmonie schrieb: "Gregor Gysi hat das Zeitgeschehen und die demokratische Entwicklung in den letzten Jahrzehnten geprägt. Wie ist heute, 30 Jahre nach dem Mauerfall, sein Blick auf diese Zeit?"

Der 9. Oktober gehörte zu den entscheidenden Tagen der friedlichen Revolution in der DDR. An jenem Tag demonstrierten in Leipzig rund 70.000 Menschen gegen das DDR-Regime. Die Unterzeichner nennen es in dem Brief "empörend, wenn der letzte SED-Vorsitzende ausgerechnet am 9. Oktober 2019 in einer Leipziger Kirche als Festredner zum 30. Jahrestag der Revolution auftritt."

Gysi (71) war Vorsitzender der SED von Dezember 1989 bis Februar 1990 - und danach bis 1993 Vorsitzender der Nachfolgepartei PDS.

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