Auf der Spur des Sonnengottes: Leipziger gräbt in Ägypten

Er habe sein Hobby quasi zum Beruf gemacht, Ägyptologie an der Uni Heidelberg studiert und später promoviert, sagt Dietrich Raue.
Er habe sein Hobby quasi zum Beruf gemacht, Ägyptologie an der Uni Heidelberg studiert und später promoviert, sagt Dietrich Raue.  © DPA

Leipzig - Der Leipziger Wissenschaftler Dietrich Raue ist auf der Spur des Sonnengottes Ra. Der Ägyptologe gräbt und forscht auf dem Areal der einstigen antiken Stadt Heliopolis mitten in Kairo.

Sein bislang wohl spektakulärster Fund gelang ihm in diesem Jahr mit der Ausgrabung des Torsos der Kolossalstatue des Pharaos Psammetich I. Das Fundstück ist jetzt im Ägyptischen Museum am Tahrir-Platz in Kairo zu bewundern. "Wir rechnen mit weiteren Funden von Teilen der Statue", sagt der Kustos, der für einige Monate nun wieder an seinem Arbeitsplatz im Ägyptischen Museum der Uni Leipzig tätig ist.

Im Februar kommenden Jahres will der 50-Jährige mit Studenten wieder zu Grabungen nach Kairo reisen. "Neben dem Torso haben wir bislang 1920 Fragmente der neun Meter hohen Statue gefunden", sagt Raue. Die zwischen 10 und 150 Zentimeter großen Teile seien geborgen. Bei den weiteren Grabungen zusammen mit dem ägyptischen Teamleiter Aiman Ashmawy vom Antikenministerium des Landes sollen weitere hinzukommen. "Dann beginnt das große Puzzeln", sagt Raue.

Seit Jahrzehnten gräbt der leidenschaftliche Archäologe in dem Land. "Die Begeisterung für Ägypten hat mich schon als 11-Jährigen erfasst", sagt er. Urlaubs-Dias eines Geschichtslehrers hätten dies ausgelöst. Unterstützt worden sei er von seinen Eltern, mit denen er als Jugendlicher in das Land reisen durfte.

Doch nicht Ramses II.: Die Statue stellt wohl Pharao Psammetich I.  dar.
Doch nicht Ramses II.: Die Statue stellt wohl Pharao Psammetich I. dar.  © DPA

Bei dem Fund des Torsos im März diesen Jahres hatten Medien weltweit berichtet, dass es sich um den berühmten Pharao Ramses II. (1303 v. Chr. bis 1213 v. Chr.) handele.

Schließlich fand die Ausgrabung in einem Tempel von Ramses II. statt. Doch wenig später stellte sich heraus, dass es ein Abbild von Psammetich I. (664 v. Chr. bis 610 v. Chr.) war (TAG24 berichtete). "Es ist ein außergewöhnlicher Fund", sagt der Leipziger Wissenschaftler. Standbilder von solch einer Größe seien selbst in einem an archäologischen Fundstätten reichen Land wie Ägypten selten.

Raue kann es kaum erwarten, wieder in Heliopolis zu graben. Zwar seien die Bedingungen dort hart. "Hitze und Staub verlangen den Teams viel ab", sagt er. Um die oft tonnenschweren Funde zu bergen, müsse manchmal schwere Technik - etwa ein Kran - eingesetzt werden.

Zwar ruhten die Schätze schon lange in der Erde. Dennoch sei jetzt Eile geboten, sagt Raue. "Uns rennt die Zeit davon". An der Grabungsstelle solle ein Parkhaus für einen Supermarkt errichtet werden. Werde der derzeitige Baustopp nicht verlängert, sei es vorbei mit den Grabungen an jener Stelle.

Doch gänzlich Schluss sei in Heliopolis selbst noch lange nicht. Das Tempelgelände erstrecke sich auf einer Fläche von 1100 mal 900 Meter. Allein der Haupttempel des Sonnengottes Ra nehme die Hälfte des Areals ein. Die Könige des alten Ägypten verewigten sich mit Nebentempeln und Statuen.

Die weitere Erforschung des Geländes solle zu einem besseren Verständnis der politischen Bedeutung des Sonnenkultes im alten Ägypten beitragen, erläutert der Wissenschaftler.


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0