Leipziger Gericht entscheidet: Wertvolle Skulpturen sollen im Zoo bleiben

Leipzig - Seit Jahrzehnten stehen mehrere kostbare Bronze-Skulpturen an prominenten Plätzen im Zoo Leipzig - und nach einem Urteil des Landgerichts Leipzig wird das vorerst auch so bleiben.

Johannes Gebbing (87, r.) mit seinem Anwalt Dr. Hannes Hartung.
Johannes Gebbing (87, r.) mit seinem Anwalt Dr. Hannes Hartung.  © Ralf Seegers

Die 5. Zivilkammer wies am Dienstag die Klage des Sohnes eines früheren Zoo-Direktors auf Herausgabe der Figuren ab.

Johannes Gebbing (87) hatte argumentiert, sein gleichnamiger Vater habe als Direktor vor rund 90 Jahren insgesamt vier Skulpturen gekauft und dem Zoo nur als Leihgabe überlassen.

Zwei der Figuren forderte er per Klage zurück: "Der Athlet" von Max Klinger, gekauft 1932, sowie die "Jason-Gruppe" des Künstlers Walter Lenck, die 1928 aus Berlin in den Leipziger Zoo kam.

Gebbing legte alte Akten und Briefe vor, die das Eigentum seines Vaters an den Kunstwerken belegen sollten. Diese reichten dem Gericht allerdings nicht aus. Anhand der Belege sei es "mehr als fraglich", dass Gebbing senior die Skulpturen tatsächlich für sich gekauft habe, sagte der Vorsitzende Richter Kai Deusing.

Johannes Gebbing (87) im Januar 2017 vor der Skulptur "Der Athlet" von Max Klinger.
Johannes Gebbing (87) im Januar 2017 vor der Skulptur "Der Athlet" von Max Klinger.  © Ralf Seegers

Der frühere Direktor habe sich zwar 1944 mit der Stadt Leipzig um verschiedene Gegenstände aus dem Zoo gestritten - aber niemals habe er dabei die wertvollen Skulpturen erwähnt. Zudem gebe es das Problem der Verjährung.

Die Stadt Leipzig lehnt die Herausgabe der Figuren ab. Sie sieht sich als rechtmäßige Eigentümerin. Ein Vergleichsangebot Gebbings hatte sie abgelehnt.

Gebbing hatte vorgeschlagen, die Stadt solle für drei Figuren 250.000 Euro zahlen und erhalte im Gegenzug die "Jason-Gruppe" als Stiftung oder Schenkung. Auf einen neuen Vorschlag - zwei Figuren könnten in Leipzig bleiben, zwei an Gebbing gehen - gingen die Vertreter der Stadt in der Verhandlung ebenfalls nicht ein.

"Wir sind erleichtert und froh über diesen Ausgang", sagte Leipzigs Kulturdezernentin Skadi Jennicke zum Urteil. Damit sei der identitätsstiftende Wert der beiden Skulpturen für den Leipziger Zoo gesichert. "Wir hoffen sehr, dass damit der Streit endgültig beigelegt ist."

Gebbing will den Kampf um die Skulpturen nicht aufgeben. "Ich gehe weiter", sagte der 87-Jährige im Gerichtssaal. Die Figuren bedeuteten ihm viel, er sei im Zoo mit ihnen aufgewachsen. Sein Anwalt Hannes Hartung kündigte Berufung vor dem Oberlandesgericht Dresden an.


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