Wird Leipziger Krebspatient durch neue Gentherapie komplett geheilt?

Leipzig - Am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) ist erstmals die Gentherapie Kymriah bei einem Patienten angewendet worden - und das offenbar mit Erfolg.

Der entscheidende Augenblick: Der erste Kymriah-Patient am UKL erhält sein in einem Speziallabor behandeltes Zellmaterial per Infusion zurück. Ein bedeutender Moment auch für Prof. Uwe Platzbecker (im Hintergrund).
Der entscheidende Augenblick: Der erste Kymriah-Patient am UKL erhält sein in einem Speziallabor behandeltes Zellmaterial per Infusion zurück. Ein bedeutender Moment auch für Prof. Uwe Platzbecker (im Hintergrund).  © Stefan Straube / UKL

Der Mann leide nach Klinikangaben an fortgeschrittenem Lymphdrüsenkrebs. Alle verfügbaren medizinischen Therapien seien bereits ausgeschöpft worden.

Die Kosten der seit August 2018 in Europa zugelassenen Kymriah-Behandlung betragen etwa 340.000 Euro. Mit der Kombi aus Zell- und Gentherapie können aggressive Formen von B-Zell-Lymphomen und akuter lymphatischer Leukämie behandelt werden.

Bei einer erfolgreichen Behandlung könnte die Lebenserwartung des Patienten deutlich verlängert oder dieser sogar vollständig geheilt werden. Die ersten Tage nach der Anwendung ist der Mann frei von Nebenwirkungen geblieben, sein Zustand habe sich wesentlich verbessert.

"Für die Zelltherapie verwenden wir angereicherte Immunzellen. Die benötigten Bestandteile werden mittels Apherese, auch als Blutaustausch oder Blutwäsche bezeichnet, direkt aus dem Blut des Patienten gesammelt, gehen dann in ein Speziallabor in den USA und werden dort gentechnisch so manipuliert, dass sie zielgerichtet gegen einen ganz bestimmten Tumor vorgehen, nachdem sie dem Betroffenen wieder zugeführt wurden", erläutert Prof. Uwe Platzbecker das Prozedere. "Neu ist dabei, dass kein Antikörper die Krebszelle bindet und zerstört, sondern die Immunzelle, also die T-Zelle selbst."

Kymriah-Behandlung in ganz Ostdeutschland nur in Leipzig möglich

Der Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I und Leiter des Bereichs Hämatologie und Zelltherapie würde von einem Erfolg sprechen, wenn der Tumor nach drei Monaten nicht weiter gewachsen und nach einem Jahr im besten Fall komplett oder zumindest zur Hälfte verschwunden sei.

Die neue Zelltherapie wurde für bislang vier Patienten am UKL durch die Krankenkassen genehmigt. Fünf weitere befinden sich auf der Warteliste.

Das UKL ist derzeit das einzige Zentrum in Ostdeutschland, das für die Behandlung mit Kymriah qualifiziert ist.

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