Hat die hohe Jugendkriminalität in Leipzig einen einfachen Grund?

Die absoluten Zahlen zeigen einen rasanten Anstieg der Kinder- und Jugendkriminalität in Leipzig (Symbolbild).
Die absoluten Zahlen zeigen einen rasanten Anstieg der Kinder- und Jugendkriminalität in Leipzig (Symbolbild).  © DPA

Leipzig - Welchen Grund hat die in Leipzig rasant gestiegene Kinder- und Jugendkriminalität? Die Linke hat die Statistik für 2016 genauer unter die Lupe genommen und kommt zu dem Schluss: Die Zahlen zur Jugendkriminalität werden durch einen bestimmten Effekt aufgebauscht.

Zunächst zu den absoluten Zahlen: Bei den unter 14-Jährigen stieg die Anzahl der Straftaten von 2015 auf 2016 um 638 Fälle auf 1624.

Bei Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren stieg die Zahl der Straftaten um 793 auf 2705. Dies ergab eine Antwort des Innenministeriums auf eine Kleine Anfrage des Linken-Abgeordneten Enrico Stange (48).

Angesichts dieser erschreckenden Zahlen wollte die Linksfraktion im Leipziger Stadtrat der Sache auf den Grund gehen. Sie befragte deshalb die Stadtverwaltung zur Entwicklung der Kinder- und Jugendkriminalität in der Messestadt.

Die überraschende Antwort: "Die Statistik der Polizei zu Tatverdächtigenzahlen bei Kindern und Jugendlichen ohne Straftaten gegen das Aufent­haltsgesetz, das Asylgesetz und das Freizügigkeitsgesetz zeigt keine besondere Entwicklung."

Wie die Stadtverwaltung in ihrer Antwort erklärte, erfasst die Statistik der Polizei alle Kinder und Jugendlichen als Tatverdächtige, die, zum Teil mit ihren Eltern, illegal nach Deutschland eingereist sind.

Juliane Nagel nennt die Diskussion über die explosionsartig gestiegene Kinder- und Jugendkriminalität "Panikmache". Sie rät dazu, die Statistiken richtig zu lesen und auszuwerten.
Juliane Nagel nennt die Diskussion über die explosionsartig gestiegene Kinder- und Jugendkriminalität "Panikmache". Sie rät dazu, die Statistiken richtig zu lesen und auszuwerten.  © DPA

Zöge man solche Straftaten ab, die nur von Ausländern begangen werden können, zeige die Kriminalstatistik keine erhebliche Zunahme bei den tatverdächtigen Kindern und Jugendlichen. Demnach stieg die Zahl der tatverdächtigen Kinder von 2015 auf 2016 um zehn Fälle beziehungsweise 2,1 Prozent, die der Jugendlichen um 122 Fälle oder 10,4 Prozent.

Grundsätzlich verweist die Stadtverwaltung bei der gestiegenen Zahl tatverdächtiger Kinder und Jugendlicher auf das Bevölkerungswachstum in dieser Altersgruppe.

Für die Linksfraktion ist die Sache deshalb klar. "Bevor über Maßnahmen und Handlungsbedarfe gesprochen wird, müssen Statistiken richtig gelesen und ausgewertet werden", fordert die Kinder- und Jugendpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Juliane Nagel (38).

Es stehe zu vermuten, dass es sich bei der geringen Steigerung der Kinder- und Jugendkriminalität um ganz normale statistische Schwankungen handle, so Nagel.

Unabhängig davon müsse aber darüber gesprochen werden, wie präventiv gegen Kinder- und Jugendkriminalität gehandelt werden könne. Dies könne nur bedeuten, endlich wirksam gegen das Problem der Kinderarmut vorzugehen, betont die Stadträtin.

Nagel zufolge ist die Messestadt hier immer noch Spitzenreiter in Sachsen - jedes vierte Kind in Leipzig lebe von Sozialleistungen.


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0