Studie belegt: Schwerwiegende Folgen bei Kindern durch Misshandlung

Die Folgen durch Kindesmisshandlung und -vernachlässigung sind gravierend.
Die Folgen durch Kindesmisshandlung und -vernachlässigung sind gravierend.  © DPA

Leipzig - Der Stresshormonpegel von misshandelten Kindern liegt ab einem bestimmten Alter deutlich über dem von nicht misshandelten - zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Uni Leipzig in einer aktuellen Studie.

Laut der Universität wurden über 500 Kinder für die Untersuchung einbezogen. Etwa die Hälfte von ihnen kam in der Kindheit mit Gewalt, sexuellem Missbrauch oder Vernachlässigung in Kontakt - körperlich, emotional oder kognitiv.

"Vernachlässigung ist in der öffentlichen Wahrnehmung unterrepräsentiert, wir sprechen von der 'Vernachlässigung der Vernachlässigung'. Dabei kann dies schwerwiegende Folgen haben. In unserer Studie traten für diese Gruppe die größten Effekte im Stresshormonpegel auf", sagt Dr. Lars White, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Leipzig.

Das Thema "Vernachlässigung bei Kindern" wird oft nicht ernst genommen. Man spricht von der "Vernachlässigung der Vernachlässigung".
Das Thema "Vernachlässigung bei Kindern" wird oft nicht ernst genommen. Man spricht von der "Vernachlässigung der Vernachlässigung".  © DPA

Um den Stresshormonpegel beider Gruppen zu vergleichen, analysierten die Forscher den Cortisol-Spiegel der Kinder im Alter von drei bis 16 Jahren.

Um das Stresshormon zu untersuchen, haben die Wissenschaftler Haare der Kinder unter die Lupe genommen. In den Haaren lagert sich das Cortisol über längere Zeiträume ein.

"Das ist ein ganz besonderer Aspekt unserer Studie, denn die Haaranalyse für Stresshormone gibt es noch nicht lange und sie wurde bislang noch nicht in einer so großen Stichprobe von belasteten und unbelasteten Kindern eingesetzt", hebt White eine Besonderheit der Untersuchung hervor.

Ein weiterer erschreckender Beleg der Studie: Misshandelte Kinder wiesen oft einen niedrigeren Cortisol-Spiegel auf als nicht misshandelte Minderjährige. Besonders deutlich lässt sich dieser Effekt bei Kindern mit Vernachlässigungserfahrungen und Misshandlungen im Säuglingsalter beobachten. "Wir wissen, dass vernachlässigte und misshandelte Kinder in ihrem Leben dauerhaft hohem Stress ausgesetzt sind, aber ihre biologischen Stressregulationssysteme sind zunehmend weniger in der Lage, diese Stresserfahrungen so zu regulieren, dass sie zu einem gesunden Entwicklungsverlauf beitragen", so White.

Die Folgen des veränderten Cortisol-Spiegels sind gravierend: Im weiteren Verlauf kann es zu neurobiologischen Veränderungen kommen, die sich etwa in einer gesteigerten Aggressivität, Hyperaktivität oder auch Ängstlichkeit äußern.

Die von Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Studie wurde unter der Leitung von Prof. Kai von Klitzing durchgeführt. Kürzlich wurde sie im renommierten Journal of Child Psychology and Psychartry veröffentlicht.


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