Leipzigerin (62) aus Tram gestoßen, Zähne herausgebrochen: Alles eine große Lüge?

Leipzig - Diese Tat sorgte für Entsetzen in der Messestadt: Eine 62-jährige Frau soll brutal aus einer Straßenbahn gestoßen worden sein, sich dabei schwer im Gesicht verletzt und mehrere Zähne verloren haben (TAG24 berichtete). Mehr als drei Monate ist der Fall nun schon her, Zeugen haben sich seitdem überraschend nicht gemeldet. Der Angriff und die Hintergründe werfen viele Fragen auf, eine zentrale in der Ermittlungsarbeit ist dabei: Hat sich Petra M. alles nur ausgedacht?

Der Vorfall ereignete sich an der Haltestelle Antonien-/Gießerstraße im Stadtteil Plagwitz, behauptet Petra M.
Der Vorfall ereignete sich an der Haltestelle Antonien-/Gießerstraße im Stadtteil Plagwitz, behauptet Petra M.  © Google Maps

"Wenn ich von der Arbeit komme, bin ich oft geschafft", erzählte die 62-Jährige kürzlich bei "Kripo live". "Ich lese in der Straßenbahn immer etwas. Das entspannt mich. Ich achte dann gar nicht auf meine Umwelt", so der Fahrgast über den Vorfall am 26. März, einem Dienstag.

Gegen 15 Uhr - also mitten im Berufsverkehr - wollte Petra M. im Stadtteil Plagwitz aus der überfüllten Tram aussteigen, stellte sich an eine Tür. An der Haltestelle Antonien-/Gießerstraße angekommen stoppte die Bahn, die Türen öffneten sich.

Wegen Knieproblemen dauerte es bei ihr etwas länger, das soll einem anderen Fahrgast zu lang gedauert haben, hieß es in dem Beitrag. Die 62-Jährige soll in den Rücken gestoßen oder getreten worden sein, verlor den Halt und fiel mit dem Gesicht voraus auf den harten Straßenasphalt.

"Das Nächste, an das ich mich erinnern kann, war das Krachen meiner Zähne. Dieses Geräusch werde ich wohl nie vergessen", sagte M. in der MDR-Sendung.

Alles nur eine große Lüge?

Der Fall wirft viele Fragen auf, die die Ermittler noch klären müssen. (Archivbild)
Der Fall wirft viele Fragen auf, die die Ermittler noch klären müssen. (Archivbild)  © Nico Zeißler

Schwer verletzt und total geschockt solle die Frau danach neben der Tram gelegen haben. Sie habe sich auf den Gehweg geschleppt und ihren Mann angerufen.

Erst rund drei Wochen später erstattete Petra M. Anzeige bei der Polizei. Auch einen Krankenwagen riefen weder sie noch ihr Mann kurz nach dem angeblichen Vorfall. Doch für die Ermittler gibt es gleich mehrere Hindernisse zur Aufklärung der Tat.

"Die Ermittlungen gestalten sich deshalb schwierig, weil wir keinen Hinweis auf den Täter oder die Täterin haben", sagte Polizeisprecherin Maria Braunsdorf. Weder die 62-Jährige noch Fahrgäste konnten Angaben machen oder haben die Tat überhaupt gesehen.

Hinzu kommt, dass das Material aus den Überwachungskameras der betroffenen Straßenbahn vor der Anzeige gelöscht wurde. "Die Aufzeichnungen werden nur einen bestimmten Zeitraum gesichert", so Marc Backhaus, Sprecher der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB). Die genaue Dauer der Datensicherung wollte er nicht bekannt geben. Diese Information könne auch für andere Straftäter interessant sein.

Nun stellen sich folgende Fragen: Wieso gibt es keinerlei Zeugen, obwohl die Tram laut Petra M.s Aussagen voll war und auch viele Menschen aus- und eingestiegen sind? Wieso hat der Straßenbahnfahrer kurz vor der Abfahrt beim Blick in den Rückspiegel keine Frau auf der Straße liegen gesehen? Wieso haben keine nachfolgenden Autofahrer die Frau auf der Straße liegend gesehen? Wieso hat die 62-Jährige trotz der schlimmen Verletzungen nicht sofort einen Krankenwagen oder die Polizei gerufen? Wieso erstattete sie erst viele Tage später Anzeige und somit auch erst dann, als es keine Überwachungskamerabilder gab?

Könnte es also sein, dass sich der Vorfall nie zugetragen und sich Petra M. alles nur ausgedacht hat? "Alle Ihre Fragen sind noch Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Deshalb können wir dies nicht beantworten", sagte Polizeisprecher Uwe Voigt auf TAG24-Anfrage.

Im Raum könnte mutmaßlich häusliche Gewalt in Kombination mit Versicherungsbetrug stehen.

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