"Weil Gott es so wollte": Mann bestialisch zerstückelt

Leisnig/Beiersdorf - Seit 2011 wohnt Frank Andrä (52) auf dem Grundstück der ehemaligen Obermühle Beiersdorf. Was er viele Jahre nicht wusste: Das Haus hat eine blutige Vergangenheit. Vor genau 200 Jahren war der Hof Schauplatz eines Mordes, der die kleine Gemeinde erschütterte.

Leben im Horrorhaus: Frank Andrä (52) nimmt's gelassen.
Leben im Horrorhaus: Frank Andrä (52) nimmt's gelassen.  © Ove Landgraf

Es geschah im Sommer 1818: Der Müller Friedrich Gottlieb Fischer und seine Frau Johanne Rosine haben im Tollkraut-Rausch Christoph Friedrich Flohr, einen Pachtbauer aus Naundorf, ermordet.

Flohr wurde von den Fischers auf bestialische Art zerstückelt: Mit einem Plätteisen hat das Ehepaar Fischer den Mann erst niedergeschlagen. Weil das nicht langte, droschen sie weiter im Drogenwahn mit Axt und Spaten auf den Mann ein.

Die aus Leisnig herbeigeeilte Gendarmerie nahm das Killer-Pärchen fest, das auch sofort gestanden hatte, Flohr getötet zu haben - weil "Gott es so wollte".

Die Eheleute waren Anhänger einer religiösen Sekte, die sich zu der Zeit in der Region großer Beliebtheit erfreute. Dem Paar wurde prophezeit, dass sie Besuch vom Teufel bekommen. Der arme Flohr, der in der Mühle Getreide abholen wollte, war also nur zur falschen Zeit am falschen Ort.

Und all das geschah auf dem Hof von Frank Andrä, dem Ortswehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Naunhof-Beiersdorf. "Der Hof gehörte meinen Großeltern, als kleiner Junge bin ich hier ein und aus gegangen." Welche blutige Geschichte sich hinter dem Gemäuer zugetragen hat, davon habe niemand in der Familie gewusst.

Von dem Mörder-Haus stehen nur noch die Grundmauern, ein altes Tor und das Gitter zum ehemaligen Stall sind dafür noch original erhalten.

Ein Leben im Horror-Haus? Frank Andrä zuckt nur mit den Schultern: "Mir macht das nichts aus, an dem Haus werde ich auch erstmal nichts ändern."

Seit sieben Jahren wohnt Frank Andrä auf dem Anwesen in Beiersdorf. Das Haus des Müllerpaares möchte er so erhalten, wie es ist.
Seit sieben Jahren wohnt Frank Andrä auf dem Anwesen in Beiersdorf. Das Haus des Müllerpaares möchte er so erhalten, wie es ist.  © Ove Landgraf
Auf dem Hof der ehemaligen Obermühle ging es blutig zu. Von dem Haus des Ehepaars Fischer stehen nur noch die Grundmauern.
Auf dem Hof der ehemaligen Obermühle ging es blutig zu. Von dem Haus des Ehepaars Fischer stehen nur noch die Grundmauern.  © Ove Landgraf
Das Eingangstor ist noch original: Hinter dieser Tür wurde ein Mann vor 200 Jahren grausam ermordet.
Das Eingangstor ist noch original: Hinter dieser Tür wurde ein Mann vor 200 Jahren grausam ermordet.  © Ove Landgraf
© Ove Landgraf

Titelfoto: Ove Landgraf