Heimleiter in Clausnitz suspendiert!

Erhält eine "neue Aufgabe": Der bisherige Leiter des Asylheims, Thomas Hetze.
Erhält eine "neue Aufgabe": Der bisherige Leiter des Asylheims, Thomas Hetze.

Von Dominik Brüggemann, Torsten Hilscher und Bernd Rippert

Rechenberg-Bienenmühle - Die Schande von Clausnitz hat erste Konsequenzen: So ist der bisherige Leiter der Asylunterkunft von seiner Aufgabe entbunden worden. Darüber hinaus hagelt es Absagen von Touristen, die die Region eigentlich besuchen wollten.

Thomas Hetze ist ab sofort nicht mehr Heimleiter in Clausnitz. Die Einrichtung des Ende vergangener Woche überregional in Verruf geratenen Ortsteils von Rechenberg-Bienenmühle wird neu besetzt, teilte das Landratsamt Mittelsachsen mit. Hetze erhält eine neue Aufgabe innerhalb des Betreiberunternehmens.

Allerdings bemühte sich Landrat Matthias Damm (CDU) am Montag um einen freundlichen Ton. Hetze könne eine nicht zu beanstandende Arbeit vorweisen, sagte er. „Wir haben die Entscheidung zum Schutz seiner Person und durch die bundesweite Diskussion über ihn getroffen.“ Ein Rolle dürfte aber auch Hetzes Bruder spielen, der nach eigenen Angaben die - später ausgearteten - Proteste gegen die Ankunft der Flüchtlinge organisiert hatte.

Drastische Auswirkungen haben die Ereignisse von Clausnitz auf den Tourismus. Laut dem Bürgermeister von Rechenberg-Bienenmühle, Michael Funke (48, CDU), wird die Tourist-Info der Gemeinde bereits massiv beschimpft. Er fürchte einen Einbruch im Fremdenverkehrsgeschäft, so Funke weiter. Das wiederum werde sich auch auf die Gewerbesteuereinnahmen auswirken.

Unterdessen ist unklar, wo der bisherige Heimleiter Thomas Hetze weiter arbeitet. Er erhält eine andere Aufgabe innerhalb des Betreiberunternehmens, so Landrat Damm. Hetze ist politisch kein unbeschriebens Blatt.

Er war unter anderem in die Kritik geraten, weil er als Parteimitglied der rechtspopulistischen AfD die Unterkunft geleitet hatte. Zuvor hatte er im benachbarten Holzhau einen AfD-Stammtisch mit dem Thema „Asyl und andere politische Amokfahrten“ mit organisiert, so ein Internetauftritt der AfD-Mittelsachsen.

Bereits Anfang November hielt er laut holzhau.de bei einer Demo gegen Flüchtlinge eine Rede. Darin sagte er der Mitschrift zufolge, dass Menschen aus Kriegsgebieten und politische Verfolgte ordentlich geholfen werden solle, um sogleich einzuschränken: „Aber dass daraus ein ungezügelter 100.000-facher Einmarsch von Wirtschaftsflüchtlingen wird, ist völlig unverständlich und stellt in meinen Augen ein Verbrechen an der deutschen Nation dar.“

Díe massiven Proteste vor der Asylunterkunft vergangenen Donnerstag hatten sich an 20 Asylsuchenden entzündet, die Clausnitz zugewiesen worden waren. Dort sind für sie zehn Wohnungen angemietet. Protestiert hatten etwa 100 Einheimische. Die untergebrachten Asylsuchenden stammen aus dem Iran, Syrien, Afghanistan und Libanon. Clausnitz hat 870 Einwohner.

Fotos: Sven Gleisberg, Xcite Ptess/Tom Wunderlich


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