Behörde lenkt im irren Zuckerstreit ein: Lemonaid bleibt weiter Limonade

Hamburg - Plötzliche Wende im Streit um den Zuckergehalt von Lemonaid: Der Hamburger Getränkehersteller bekommt nun doch keinen Ärger mit den Behörden.
Lemonaid darf sich vorerst weiter Limonade nennen.
Lemonaid darf sich vorerst weiter Limonade nennen.  © dpa/Hauke-Christian Dittrich

Wie die Hamburger Gesundheitsbehörde am Donnerstag mitteilte, wird das Bezirksamt Hamburg-Mitte in Absprache mit der Gesundheitsbehörde den "zu niedrigen Zuckergehalt" in der Zitronen-Limonade vorerst nicht beanstanden.

Außerdem werde sich Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) auf Bundesebene dafür einsetzen, "dass die Leitsätze für Lebensmittel hinsichtlich möglicher gesundheitsschädlicher Mindestgehalte überprüft werden".

Am Mittwoch war öffentlich geworden, dass das Bezirksamt Hamburg-Mitte Lemonaid abgemahnt hatte (TAG24 berichtete).

Der Grund: Das Unternehmen verwende den Begriff Limonade für sein Getränk "Lemonaid Limette", was es aber nicht dürfe.

Denn dafür sei der Zuckergehalt mit sechs statt der vorgeschriebenen Mindestmenge von sieben Prozent zu niedrig.

Dem Getränkehersteller wurde daher geraten, entweder das Produkt in "Erfrischungsgetränk" umzubenennen oder den Zuckergehalt heraufzusetzen. Beides hatte Lemonaid abgelehnt.

Limonaden, Cola, Energy Drinks & Co enthalten oft viel Zucker.
Limonaden, Cola, Energy Drinks & Co enthalten oft viel Zucker.  © dpa/Monika Skolimowska

Denn das Unternehmen steht für Bio-Zutaten, Fairtrade und vor allem weniger Zucker als in Konkurrenz-Produkten.

Der Mindestzuckergehalt stehe nach Angaben der Gesundheitsbeörde in den "Leitsätzen für Erfrischungsgetränke" des Deutschen Lebensmittelbuchs. Diese seien über Jahrzehnte gewachsen und entsprechen heute "teilweise nicht mehr den Verbrauchererwartungen".

Die Vorgaben wirken widersprüchlich angesichts der Ankündigung von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) mit einer Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie unter anderem den Zuckergehalt in Fertigprodukten zu reduzieren.

"Der aktuelle Fall zeigt: Die Leitsätze für Erfrischungsgetränke sind in manchen Bereichen nicht nachvollziehbar und konterkarieren unsere Strategie zur Zuckervermeidung sowie zur gesundheitsbewussten Ernährung", sagt Cornelia Prüfer-Storcks.

"Es ist ein Stück aus dem Tollhaus, dass Leitsätze der Kommission für Lebensmittel zwar den Begriff Limonade schützen wollen, dadurch aber gleichzeitig der Reduzierung von Zucker entgegenwirken."

Die Gesundheitssenatorin werde sich daher bei Bundesernährungsministerin Julia Klöckner für eine Überprüfung der Lebensmittel-Leitsätze einsetzen.

Klingt gut für Lemonaid. Fraglich bleibt, wie lange. Denn die Gesundheitsbeörde hat mitgeteilt, dass es "vorerste" keine Beanstandung gebe. Damit könnte der Ärger nur aufgeschoben sein.

Streit um Nachahmer

Richtig Streit gab es kürzlich, als der Discounter Lidl ein Nachahmer-Produkt in die Regale brachte (TAG24 berichtete). Flaschenform und Aufmachen waren Lemonaid so ähnlich, dass die Hamburger in einem offenen Brief von einer "dreisten Kopie" sprachen.

Die Limonade war bei Lidl als Aktionsprodukt allerdings nur kurze Zeit erhältlich. Der Discounter reagierte ausweichend auf die Kritik, wie der Fachdienst Horizont berichtete.

Titelfoto: dpa/Hauke-Christian Dittrich

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