Letzte Station vor der Vernichtung: Erinnerung an das "Judenhaus" an der Bautzner

Dresden - Das stattliche Gründerzeithaus an der Bautzner Straße 20 birgt ein dunkles Geheimnis.

Das Haus an der Bautzner Straße 20. Das Gebäude hat den Krieg überstanden - ihre einstigen Besitzer wurden von den Nazis ermordet.
Das Haus an der Bautzner Straße 20. Das Gebäude hat den Krieg überstanden - ihre einstigen Besitzer wurden von den Nazis ermordet.  © Ove Landgraf

Ab 1940 hatten die Nazis dort ein sogenanntes "Judenhaus" eingerichtet.

Enteignete und aus ihren eigenen Häusern vertriebene jüdische Familien aus Dresden wurden hier zusammengepfercht.

Es sollte ihre letzte Station sein, bevor sie in die Vernichtungslager wie Auschwitz oder nach Theresienstadt deportiert wurden - kaum jemand von ihnen überlebte.

Gestern enthüllten Bürgermeisterin Eva Jähnigen (53, Grüne), Schriftstellerin Hannah Miska und Juri Tsoglin von der Jüdischen Gemeinde im Durchgang des Hauses neue Tafeln, die nun an die einstigen Bewohner erinnern.

Etwa an die Eheleute Louis und Henriette Schrimmer. Im Hof betrieben sie eine Fabrik für chemische Mittel ("Blitzblank Scheuerpulver").

Die Erinnerung bewahren: Bürgermeisterin Eva Jähnigen (53, Grüne, v.l.), Schriftstellerin Hannah Miska und Juri Tsoglin.
Die Erinnerung bewahren: Bürgermeisterin Eva Jähnigen (53, Grüne, v.l.), Schriftstellerin Hannah Miska und Juri Tsoglin.  © Ove Landgraf

Unter dem Druck der Verfolgung veräußerten sie ihr Anwesen an die Israelische Kultusgemeinde, die es nach der Zerstörung der Dresdner Synagoge 1938 ("Reichspogromnacht") zunächst als provisorisches Gemeindezentrum nutzte.

1942 wurde von dort auch das Ehepaar Schrimmer deportiert - nach Theresienstadt, wo die beiden noch im selben Jahr umkamen.

Sie sind nur zwei von Tausenden Dresdner Juden, die bis 1945 ermordet wurden. Bürgermeisterin Jänigen gestern: "Diese Schicksale dürfen wir nicht vergessen."

Ein kleiner Trost bleibt: Verwandte der Schrimmers konnten rechtzeitig aus Dresden und Deutschland fliehen.

Ihre heute zahlreichen Nachkommen pflegen das Erbe ihrer Familie mit großem Engagement.

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